Freitag, 30. Januar 2009

Agnes Feders Tagebuch


Tante Mette hat angerufen - und das, obwohl zwischen uns seit Monaten Funkstille herrscht. Vielleicht ist sie krank? Oder sie hat erfahren, dass sie bald sterben muss? Na, das ist jetzt unfair von mir. Der Anruf war eine große Geste für Mette. Sie läßt für Großmutter eine Messe lesen und ich soll kommen.

Eigentlich sollte ich mich fragen, warum ich einen Familienzwist weitertrage, der nichts mit mir zu tun hat - beziehungsweise mit dem ich nichts zu tun habe will. Mutter hat sich mit Mette nie ausgesprochen und ich habe das Thema "Erbschaft" auch niemals angesprochen. Selbst wenn Mette böse Andeutungen gemacht hat. Bin ich feige? Habe ich Angst vor einem offenem Streit? Vielleicht werde ich mal mit dem Pendel nach Antworten suchen, Bachblüten zu diesem Thema ausfindig machen...

Mittwoch, 28. Januar 2009

Agnes Feders Tagebuch


Noch mehr Schnee - habe mir einen Weg zum Holzschuppen gegraben und zum Auto hinaus. Werde heute nicht wegfahren. Zwar komme ich den Berg runter, aber nie mehr hinauf! Das macht mir nichts - ich hatte letzte Nacht einen wundersamen Traum aus dem Leben der Meister von Valun.

Wir waren alle vereint - Sishla Vem, Neddal, Nathane, Kossar und Havan. Es war ein berauschendes Fest, oder vielmehr ein Ritual, denn zuvor hatten wir uns durch Fasten gereinigt, im Meer den Wellen hingegeben und schließlich ein Feuer entzündet, um das wir singend tanzten, im Klang der Trommeln selber zu Instrumenten der Einsheit wurden. Unbeschreiblich das Gefühl, das mich umfangen hat, eine Stille, als wäre ich der Himmel und das Meer zugleich, unendlich weit und tief, alles überdauernd.

Werde heute und die kommenden Tage wieder die Übungen von Sishla Vem praktizieren, "die Lebenskraft aus dem Ozean heben" zum Beispiel. Ich habe beinahe vergessen, wie gut mir diese Übungen tun und wie wichtig sie für mich geworden sind.

Dienstag, 27. Januar 2009

Agnes Feders Tagebuch


Habe mich mit Theres getroffen. Sie ist auch ganz aufgeregt wegen dem Buch. Sie meint aber, dass das alles ein Zufall sein muss. Natürlich, was sonst? Theres mag keine mysteriösen Begebenheiten. Ich auch nicht, trotzdem bin ich ständig damit konfrontiert!

Vielleicht sollte ich mir Theres zum Vorbild nehmen und mein Augenmerk auf das leere Bankkonto richten - kein Geld, kein Job, kein Freund - nicht gerade erfreulich! Wie soll ich das Haus heizen, die Grundsteuer bezahlen, meine Klapperkiste namens Auto tanken? Auf meine Bewerbungen ist noch keine Reaktion gekommen. Bereue schon, dass ich den Job hingeschmissen habe - nein, ist das schrecklich! Jetzt krieche ich schon zu Kreuze, kaum dass es ungemütlich wird. Hätte ich es in einer Firma aushalten sollen, wo ein Mord vertuscht wird, ein Mörder gedeckt wird, weil alles andere geschäftsschädigend ist? Werde ich da nicht zum Mittäter? Gott, ich wünschte, ich könnte beweisen, was ich weiß...

Agnes Feders Tagebuch


Habe eben die letze Seite in dem Buch "GEFUNDEN" gelesen. Wie soll ich beschreiben, was in mir vorgeht? Wie eine Schnecke komme ich mir vor, die dachte, sicher und geschützt in ihrem Haus zu leben, dabei starrt die Welt auf mich! Eigentlich möchte ich das alles vergessen, die Toten, die vergangenen Leben, meine Träume und empathischen Fähigkeiten. Vor allem Siebert... Im Badezimmer rauscht das Wasser. Habe beschlossen ein Bad zu nehmen. Werde mir ein feines Badeöl mischen - Obers mit Honig, einige Tropfen Sandelholz- und Rosenöl. Sandelholz und Rose helfen ins Gleichgewicht zu kommen, genau das, was ich jetzt brauche.

Wenn ich es mir genau überlege, bin ich immer noch eine kleine Schnecke, die bloß glaubt, die ganze Welt blickt auf sie, - und eigentlich bemerkt es kaum einer, dass ich so exponiert wurde....

Sonntag, 25. Januar 2009

Agnes Feders Tagebuch


Etwas sehr seltsames ist passiert, ich muss es niederschreiben, so wird es vielleicht realer.

Wie so oft stöberte ich durch die Buchläden der Stadt. Millionen Bücher, bunt, schrill, manche still, manche fade. Schon wollte ich zurück nach Hause, auf meinem Berg, da fiel mir ein Buch auf, versteckt wohl, aber sein Cover leuchtete mir dennoch entgegen. Zwei Gestalten, die einander umarmten - so jedenfalls wirkte das Bildnis auf mich. Ich griff es mir aus dem Wühltisch heraus, schlug es auf - und seitdem steht die Welt Kopf!


Jemand hat über meine Erlebnisse geschrieben - ich kann es nicht fassen und nicht verstehen. Diese Frau, die Autorin, scheint in meinem Kopf zu leben, hat ungehinderten Zugang zu all meinen Gedanken und Wünschen. Natürlich bin ich verwirrt, doch das hindert mich nicht daran, diese Geschichte zu verschlingen, geradezu einzusaugen. Zum ersten Mal seit jenen Tagen, in denen Mord und Intrige in mein Leben getreten sind, beginne ich den großen Zusammenhang zwischen meinen Fähigkeiten und Träumen zu verstehen...