Samstag, 28. Februar 2009

Agnes Feders Tagebuch


Das Vorstellungsgespräch war ganz OK, aber mein Gefühl sagt mir, dass das nichts wird. Wie auch immer - es war dennoch ein schöner Tag in der Stadt. War wieder mal in der Kärtnerstraße, auf der Freyung und beim Demmer auf einen gepflegten Tee. Habe meine Tee -Vorräte aufgestockt und war mit Theres Essen. Am Abend bin ich bei Papa vorbei und habe ihm Medikamente aus der Apotheke gebracht. Er macht mir einwenig Sorge mit seinem Bluthochdruck. Seit dem letzten Mal zittern seine Hände auch wieder stärker und es kommt mir vor, als würde er irgendwie anders reden. Wenn ich ihn so sehe, ihn richtig anschaue, dann bekomme ich Angst, ihn zu verlieren. Ich will ihn zeichnen, dabei komme ich tiefer hinein in ihn und in mein Gefühl.

Donnerstag, 26. Februar 2009

Agnes Feders Tagebuch


Morgen ist das erste Vorstellungsgespräch. Ein Lichtblick, der sich mit den ersten Sonnenstrahlen seit langen trifft! Werde mich vorbereiten so gut es geht, ein bisschen über das Unternehmen recherchieren, damit die wissen, dass ich mich auskenne. Haare waschen, schön föhnen, Bluse bügeln, Nägel feilen und polieren, Schuhe putzen - was noch? Meine Gespenster loslassen, Qi Gong üben, meditieren - den Kater füttern - er wird mir trotzdem wieder eine Maus vor die Türe legen.

Dienstag, 24. Februar 2009

Agnes Feders Tagebuch


Die Vergangenheit plagt mich. Die Ruhe der letzten Tage hat böse Schatten aufsteigen lassen, die Gesichter der Toten schimmern durch die Oberfläche meiner Seele. Nachts im Traum - am Tage im Leichentuch des Schnees. Ich fürchte ihre Mienen, befürchte das Öffnen der Augen, den vorwurfsvollen Blick, der mich durchbohren will. "Du hast es geträumt, doch du hast uns nicht gewarnt." schreien sie mir entgegen. Und ich fühle mich schuldig, verschwendet ist die Gabe, die mir gegeben wurde. Ich habe niemanden gerettet.

Montag, 23. Februar 2009

Agnes Feders Tagebuch

Ich war das Wochenende über richtiggehend eingeschneit - saß in meinem Haus wie in einer Bärenhöhle, bin nur raus zum Schuppen, um Holz zu holen, damit ich nicht erfriere -, was auf dem Weg hin und zurück schon fast geschehen ist. Die Stromheizung kostet einfach zu viel Geld, ich kann sie nicht voll laufen lassen. Wollte mich mit Zeichnen ablenken, doch meine Finger waren bald ganz steif und kalt! Zudem stiegen meine Befürchtungen, dass ich diese Woche wegen dem Schnee nicht zum Vorstellungsgespräch kann. Was bin ich froh, dass ich mich auf Qi Gong besonnen habe! Nachdem ich "Den Ball vor die Schulter heben" geübt und dannach eine halbe Stunde meditiert hatte, fühlte ich mich wie ein neuer Mensch - oder wie ein Bär? Jedenfalls sehr stark und gar nicht mehr kalt.

Sonntag, 22. Februar 2009

Tao Te King


Könnten wir weisen den Weg,

es wäre kein ewiger Weg.

Könnten wir nennen den Namen,

es wäre kein ewiger Name.

Was ohne Namen,

ist Anfang von Himmel und Erde;

Was Namen hat,

ist Mutter den zehntausend Wesen.

Donnerstag, 19. Februar 2009

Agnes Feders Tagebuch


Wurde gestern total eingeschneit! Habe irgendwann aufgehört, die Schneeflut aus dem Weg zu räumen und habe nur mehr fasziniert zugeschaut, wie diese winzigen, gewichtlosen Kristalle, die sich blitzartig in ein noch kleineres Tröpfchen Wasser verwandeln, sobald ich sie fange, - wie diese Himmelswesen nicht einmal herabsinken, sondern vom Wind getragen in alle Richtungen wirbeln, und doch eine schwere Decke über alles breiten. Das schwächste, leichteste, anpassungsfähigste aller Elemente ist das Stärkste.

Ging zu meinem Sekretär, um die Laden zu ordnen und fand sein Foto. Ich kann es nicht weggeben, das schaffe ich nicht. Es bleibt liegen, wie der Schnee. Vielleicht schmilzt es einmal und ein neuer Frühling beginnt...

Mittwoch, 18. Februar 2009

Agnes Feders Tagebuch

Trotz Schneesturm habe ich gestern die Fahrt in die Stadt gewagt, denn das Qi Gong - Üben mit Carla wollte ich keinesfalls versäumen. So angespannt und aufgekratzt ich war, schon nach der ersten Übung war das alles wie weggeblasen. Das war: "Den Bogen spannen", eine geliebte Übung im Sommer - wenn ich auf der Wiese stehe, das Gras zwischen den Zehen fühle (auch mal Ameisen und Käferlein), zwischen Himmel und Erde aufgespannt, gewissermaßen das Verbindungsstück bin. Der Blick schweift über die Hügel und Wälder, die Luft ist warm, Vögel unterhalten sich zwitschernd über meinen Kopf hinweg, ich spanne den Bogen mit dem Drachen der Atmung - lasse die Sehne los - den Pfeil hinaus in die Welt schnellen - und bleibe wo ich bin. Die Mitte.

Montag, 16. Februar 2009

Agnes Feders Tagebuch


Habe noch eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch bekommen! Von den unzähligen Absagen will ich garnicht reden. Zwei Einladungen, das ist doch was. Jetzt muss ich die Personalchefs oder Chefinnen noch überzeugen. Was soll ich anziehen? Hier am Berg ist tiefster Winter - kann ja nicht mit Moonboots antraben. Werde mich bei Paps umziehen und von ihm mit der U-Bahn weiterfahren. Ob sie mich nehmen? Mann, ich brauche diesen Job - auch wenn es nur eine Karrenzvertretung wäre. Kann mich noch erinnern, wie das bei Baby Star war - diese Firma werde ich wohl niemals vergessen - Dr. Wachs plötzlicher Tod, die Morde,...nein, will nicht weiterdenken. Gehe besser Schneeschaufeln....

Samstag, 14. Februar 2009

Tao Te King


Pflege bei allem was du tust, das Nicht-Tun;

handle, ohne einzugreifen;

genieße das, was keinen Geschmack hat.

Mach größer,was klein ist, und vermehre das Wenige;

tu Gutes dem, der dir ein Unrecht getan hat.

Agnes Feders Tagebuch


Wenn ich durch den Garten gehe, dann fühle ich die Gegenwart von Großmutter. Der alte Nußbaum, so groß wie ein Haus, die Heckenrosen, unverwüstlich, wehrhaft und doch so zart, der Hollerbusch, dessen Blüten und Früchte sie zu guter Medizin verkocht hat - hier kann ich ihren Geist finden. Tante Mette habe ich erklärt nur zur Seelenmesse zu kommen, wenn ich einen eigenen Text lesen kann. Sie ist stocksauer und verzichtet ganz auf meinen Beitrag. Auch gut. Ich feiere für Großmutter ein Fest in ihrem Garten, im Frühling, wenn das Leben erwacht.

Donnerstag, 12. Februar 2009

Agnes Feders Tagebuch


Theres hat mir große Freude bereitet - sie hat von sich aus wieder nach meiner Energiearbeit gefragt. Offenbar hat unser Gespräch an der Donau in ihr weitergearbeitet. Ich konnte ihre Fragen hoffendlich gut beantworten. Wer kommt nur auf die Idee, dass mit Reiki "dunkle Mächte" angezapft werden? Das klingt mir sehr nach religöser Angstmacherei. Gerade jetzt sind ja die Konservativen (nicht nur bei den Katholiken) in allen Medien.

Die Vorstellung, dass es EINE universelle Lebensenergie gibt, die uns alle durchflutet und belebt, scheint schwierig für uns, die wir in der Dualität Gut-Böse, Hell-Dunkel ect. gewohnt sind zu leben. Die Kraft, die alle Gegensätze auflöst, Gegensätze, die ja nur eine Vorstellung, ein Konzept in unserem Kopf sind, diese Kraft ist göttlich. Und das Schöne daran ist, dass sie immer da ist, in uns und um uns, dass wir sie kanalisieren können um uns zu heilen.

Dienstag, 10. Februar 2009

Agnes Feders Tagebuch


Grrr! Tante Mette hat mir aufgetragen, ich soll auf der Seelenmesse von Großmutter einen Text vorlesen. Natürlich hat sie den Text ausgesucht und es stellen sich mir alle Haare auf, wenn ich mir nur vorstelle, dass ich diesen Quatsch laut vorlese. Meine Großmutter war keine Sünderin - warum soll ich was von "Sündern" vorlesen? Entweder suche ich selbst was aus oder Mette kann ihren Text selber lesen. Jetzt ist sie natürlich sauer auf mich. Sie findet mich "exzentrisch und äuerst verschroben". Also das ist interessant, denn genauso sehe ich sie!
Warum kann man in der Familie nicht seinen Frieden haben? Man macht's nie richtig, es gibt immer was am andern auszusetzen. Ich wünsche mir eine Familie, in der die Menschen einander so akzeptieren können, wie sie sind. Wenn ich das mit Tante Mette versuche, habe ich mir gleich den schwierigsten Fall ausgewählt. Na, wenistens hat Paps sie nicht geheiratet, sonst wäre sie jetzt meine Stiefmutter...

Gehe lieber Schnee schaufeln, der Winter ist ja wieder zurückgekehrt.

Samstag, 7. Februar 2009

Agnes Feders Tagebuch


An der Donau war es herrlich - endlich wieder Sonnenschein! Das Eis schmilzt, kein Wunder, wenn es über zehn Grad hat. Auch die Enten schwimmen wieder paarweise und wähnen sich im Frühling. Theres hat sich von mir alles über Reiki erzählen lassen. Habe ihr auch erklärt, wie sich diese Form der Energiebehandlung genial mit Qi Gong und Zen-Meditation ergänzt. Es ist ein System für mich. Meine Träume über die Meister von Valun haben darin ihre Bestätigung gefunden. Mit Carla habe ich diese Künste von der Pike auf erlernt und mich verändert - bin mir nahe gekommen, finde meine Mitte.

Donnerstag, 5. Februar 2009

Agnes Feders Tagebuch


In der Post war tatsächlich eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch! Es ist zwar wieder im medizinischen Bereich, aber ich kann nicht wählerisch sein, in meiner Position.
Ich war so aufgeregt, dass ich gleich mal Papa angerufen habe, und dann Theres. Wäre das toll, endlich wieder einen Job und genug Geld für - alles! - zu haben.
Mit Carla Draschy, meiner liebe Lehrerin und Freundin, habe ich auch gesprochen. Sie hat für das letzte Ausbildungseminar kein Geld von mir verlangt, aber ich will das nicht annehmen. Für mich ist die Rechnung bloß gestundet und sicherlich die erste, die ich bezahle. Mit dem Job könnte ich die letzten Seminare auch noch machen und die Ausbildung abschließen. Dann wäre ich offiziell Kinesiologin. Jetzt muss ich nur noch an den Speck ran...

Dienstag, 3. Februar 2009

Agnes Feders Tagebuch


Gestern war Maria Lichtmess, früher mal wurde zu dieser Zeit das Erwachen der Göttin gefeiert, die nach dem Winter jungfräulich wiederersteht. Die Tage werden wieder länger und die Hoffnung auf neues Leben, frische Nahrung und das Ende der Kälte größer.

Mir fehlt es einwenig an Hoffnung, ich muss es gestehen, also hielt ich Ausschau nach einem Zeichen. Inmitten von Eis und Schnee, Kälte und dichten Nebel leuchtete mir ein einziges Blatt in zauberhaften Rot entgegen - wenn das nicht göttlich war...

Montag, 2. Februar 2009

Agnes Feders Tagebuch


Habe mich mit unserem Familienstreit beschäftigt und über Bachblüten nach Lösungen für mich persönlich gesucht. Bin auf Agrimony gestoßen - worden - das Pendel hat darauf hingewiesen. Die Blüte der Ehrlichkeit. Dachte von mir, ehrlich zu sein - aber vielleicht bin ich ja nicht ehrlich zu mir? Das Harmoniebedürfnis, von dem die Scheffer schreibt, habe ich jedenfalls und auch die stets freundliche Maske nach Außen. Wobei, das hat sich schon verändert - seitdem das mit Frau Muth passiert ist, und Megan, und Siebert,...ich verändere mich, meine Träume verändern mich. Kann doch sein, dass gerade deswegen jetzt die Zeit gekommen ist, genauer hinzusehen. "Mich meinem inneren Schmerz zu stellen" - Ok, wenn es so sein soll...

Sonntag, 1. Februar 2009

Tao Te King


Wer andere kennt, ist klug;
wer sich selbst kennt, ist erleuchtet.
Wer andere überwindet, hat Kraft;
wer sich selbst überwindet, ist stark.

Wer weiß, dass er genug hat, ist reich.

Wer nicht aufgibt, zeigt Willensstärke.
Wer seinen Ort nicht verliert, wird nicht untergehen.
Wer stirbt, ohne sich selbst aufzugeben,
bleibt ewig ein Teil des Lebens.