Montag, 30. März 2009

Agnes Feders Tagebuch


Bin müde - muss mit dem Exekutor um 6.00 Uhr vor der Haustüre der Schuldner stehen. Das ist nicht angenehm. Die Leute freuen sich nicht gerade über diesen Besuch, wie man sich vorstellen kann. Die Kinder schlafen zumeist noch, die Wohnungen sind auch schon vollkommen ausgeräumt. Bei dem heutigen Termin waren bloß noch die Golfschläger in der Ecke übrig. Die wollte der Exekutor nicht pfänden, weil es dafür nichts gibt. Ich wollte auch nicht insistieren, obwohl ich ja die Interessen des Gläubigers, der von unserer, dh. Peters Kanzlei vertreten wird, wahren muss. Aber was bringt das, wenn man ein paar zehntausend Euro Schulden hat? Eben. Der Mann hat so schon fertig genug ausgesehen. Konnte ihn gar nicht in die Augen sehen, das hat richtig weh getan. Eigentlich gibt es nur wenige Menschen derzeit, denen ich gerne in die Augen sehe und deren Gefühle ich dann ertragen kann. Wobei, es wird mit Zazen besser. Kann mich besser zentrieren und bei mir bleiben.

Donnerstag, 26. März 2009

Agnes Feders Tagebuch


Werde für Peter auf Stundenbasis arbeiten, bis ich Nachricht über den Ausgang meiner Bewerbungen erhalte. Das war wirklich ein rettendes Angebot - erstens arbeite ich gerne, zweitens mag ich mir kein Geld von Paps borgen und drittens geht es sich mit dem Arbeitslosengeld einfach nicht aus. Strom, Grundsteuer, Abgaben für Wasser, Kanal und Müllentsorgung, Versicherungen, Auto...da bleibt kaum was über um Essen einzukaufen. Morgen geht es schon los. Ich werde um 4.15 Uhr aufstehen müssen. Gut, dass ich ein Morgenmensch bin - aber das ist ja fast noch in der Nacht!

Mittwoch, 25. März 2009

Agnes Feders Tagebuch


Gestern haben wir mit Carla sehr intensiv Qi Gong geübt. Die Yang-Teile waren voller Energie und die Yin-Teile von meditative Stille geprägt. Wie wohltuend das war!
Meine Gedanken waren zuanfang schrecklich aufgewühlt, denn Papa hat "unseren Tag" abgesagt. Dienstags komme ich immer zu ihm, mache ein paar Besorgungen für ihn, plaudere bei einer Tasse Tee noch eine Weile bevor ich zu meinen Qi Gong - Übungsabend aufbreche. Gestern nicht. Gestern war er mit Mette unterwegs. Von allen Tagen der Woche hat sie diesen Tag gewählt, um mit Papa zu einem Konzert des Pensionistenklubs zu gehen. Paps verbringt jetzt viel Zeit mit ihr. Früher konnte er sie nicht leiden, und jetzt...ich verstehe es nicht. Ich habe mir immer für ihn gewünscht, dass er eine Partnerin findet, damit er nicht so viel alleine ist. Aber Mette! Warum sie? Nur weil sie da ist und sich nicht wegschicken lässt? Theres meint, ich bin eifersüchtig, weil Mette mir meinen Papa "wegnimmt". "Blödsinn!" habe ich gleich gesagt, na ja, vielleicht ist ein Körnchen Wahrheit dran, ich will es nicht ganz ausschließen. Doch ist da noch etwas anderes, etwas, das mir Angst macht. Kann gut sein, dass mich die Morde der Vergangenheit traumatisiert haben und ich schon das Gras wachsen höre, aber dieses Gefühl, welches mich beschleicht, wenn ich Mette sehe, das ist mir allzubekannt.

Dienstag, 24. März 2009

Agnes Feders Tagebuch


Jetzt beginnt die Zeit, zu der sich das Sammeln von Misteln empfiehlt, denn ab März sind wenig Beeren an den Blättern, dh. man hat weniger Arbeit mit dem Putzen. Andere Quellen empfehlen wiederum den Johannistag als idealsten Tag der Ernte. Die Misteln von Eichen und Pappeln gelten dabei als besonders heilkräftig.
Maria Treben empfiehlt sie bei vielerlei Beschwerden, darunter auch Frauenbeschwerden und Unfruchtbarkeit. Fruchtbarmachend - das Verschmelzen von Gegensätzen.
Auch wird das Kraut zur Krebsverhütung eingesetzt.
Wunderbare Pflanze - wie sie hochoben in den Baumwipfeln thront! Die Misteln berühren den Boden nicht, schweben zwischen Himmel und Erde. Ihre Blätter bleiben Keimblätter, als wollten sie sich nicht fortentwickeln. Sie entziehen sich dem Wechsel der Jahreszeiten, Verbinden und Überwinden, bleiben im Zwischenraum - bleiben Zwischenwesen, Vermittler zwischen der Anderswelt und der Menschenwelt.

Montag, 23. März 2009

Agnes Feders Tagebuch


Kaum schreibe ich, dass ich nie ausgehe, bin ich zu einem Fest eingeladen. Am Samstag hat Peter, ein Studienkollege, wiedermal angerufen. Er hat mir angeboten, in seiner Kanzlei aushelfen zu dürfen und mich auch noch spontan zu seiner Geburtstagsfeier eingeladen. Habe mich so gefreut über das Jobangebot! Musste dann natürlich zur Feier. Auf der Party waren lauter Anwälte, Ärzte, Abteilungsleiter und Geschäftsführer - und ich. Exotin unter den summenden Bienen, die alle so fleißig, erfolgreich und gestresst sind. Habe mich gut unterhalten und zu meiner großen Freude festgestellt, dass ich nicht genervt bin, ihnen den Erfolg bzw. Stress nicht neidig bin. Jeder steht dort, wo er steht.

Zen wirkt.

Sonntag, 22. März 2009

Tao Te King


"Unsterblich ist die Fee des Tals:

so heißt es von der Mystischen Weibheit.

Der Mystischen Weibheit Pforte:

So heißt man die Wurzel von Himmel und Erde.

Endlos wallend, gleichsam gegenwärtig,

also wirkt sie sonder Beschwerde."

Freitag, 20. März 2009

Agnes Feders Tagebuch


Der Traum letzthin hat mich zu neuen Experimenten inspiriert - habe mir in der Stadt in meinem Lieblingsladen Jojobaöl gekauft und auch noch ein Fläschchen Vanilleessenz gefunden. Das Geld hätte ich vernünftigerweise besser für Benzin gespart, aber was soll's, dafür gehe ich nie aus und kaufe mir praktisch keine Klamotten.

Also habe ich eine neue Creme komponiert. Zuerst wollte ich bloß eine hautberuhigende Creme machen, aber die Vanille war dann doch genau das, was meine Seele brauchte: Besänftigung, Ausgleich für den Ärger und Frust. Dazu einige Tropfen Rose, die den Geist stärkt und Geduld lehrt. Hautpflegend ist sie allemal, denn die Mischung aus Jojobaöl, Sheabutter und Avocadoöl ist purer Luxus für die Haut. Ich habe sie auf meinem Arm aufgetragen und mich sofort in meinem Arm verliebt - Zauberei der Düfte! Versteht sich von selbst, dass ich mich von Kopf bis Fuß damit gesalbt habe. Man sollte sich selbst viel lieber haben, nicht wahr?

Donnerstag, 19. März 2009

Agnes Feders Tagebuch


Am Berg ist schon wieder eine Schneedecke, die Narzissen und Tulpentriebe werden das hoffentlich aushalten - das hat sich gestern bereits mit eisigen Winden angekündigt. Der gleiche Frost schlug mir bei meinem Besuch bei Papa entgegen. Vor meinem Qi Gong und Zazen Abend war ich wie gewöhnlich noch bei ihm, aber Tante Mette ist dieser Termin anscheinend auch bewusst und war präsent. Überallemaßen präsent. Wir waren keine zwei Minuten alleine im Zimmer, ständig wuselte sie um uns herum. Brachte mal einen Schal, mal einen Tee, dann ein Medikament und kleine Häppchen zur Stärkung. Ich schaute Papa an und er lächelte hilflos. Ich sagte zu Mette: "Hey, Paps ist kein Baby. Was machst du da die ganze Zeit?" und sie lächelte ihr Triumphlächeln und antwortete zuckersüß: "Der Arme braucht doch eine Frau, die sich um ihn kümmert! Das bin ich meiner Schwester schuldig, dass ich nach Ludwig sehe." Jedes zweite Wort eine Provokation! Meine Bemerkung, dass Papa ein erwachsener Mensch sei, der sich durchaus selbst versorgen kann, wurde von beiden ignoriert. Wie es scheint, genießt Papa das Umsorgtwerden und Tante Mette gab mir beim Gehen zu verstehen, dass ich nicht mehr den Einkauf für ihn machen brauche.

Dienstag, 17. März 2009

Agnes Feders Tagebuch


Was für ein wunderbarer Traum! Ich war in Sishla Vems Welt, konnte das Meer riechen und die warme Sonne auf meiner Haut fühlen. Es war Frühling auf Valun, die Tag-Nacht-Gleiche stand bevor und gemeinsam bereiteten die Menschen das Fest vor. Eine Freude und Heiterkeit lag in der Luft, wie ich sie in diesem Leben noch nie vor einem Fest erlebt habe. Die Arbeit war keine Last, sie war Teil des Rituals und wurde mit großem Genuss getan. Sishla Vem bereitete eine Salbe von besonderer Art. Pflegende Öle und Bienenwachs, aber auch Kräuterauszüge verschiedenster Wirkung und Bedeutung fügte sie hinzu. Es waren darunter auch die ersten Blätter von Kräutern und Bäumen, die der Frühling kraftvoll hervorgebracht hatte. Soviel ich im Traum verstanden habe, sollten die Wirkstoffe über die Haut aufgenommen werden, in der Nacht des Festes. Die Gesalbten würden sich mit dem Geist der Einsheit verbinden und ihr Alltagsbewußtsein für einige Zeit loslassen.

Sonntag, 15. März 2009

Tao Te King


"Himmel und Erde sind nicht menschenfreundlich; sie nehmen die zehntausend Wesen für Strohhunde.

Der heilige Mensch ist nicht menschenfreundlich; er nimmt die hundert Geschlechter für Strohhunde.

Himmel und Erde, wie gleicht ihr Zwischenraum einem Blasebalg! Er fällt nicht ein, ob noch so leer; je mehr bewegt, gibt aus er umso mehr.

Viele Worte - manch Verlust. Am besten, man bewahrt sie in der Brust!"

Samstag, 14. März 2009

Agnes Feders Tagebuch


Herrlicher Tag - ohne Regen, draußen beginnt das Leben! Und die Frühjahrsmüdigkeit - ich war so müde, dass ich kaum aus dem Bett kam und den halben Tag daran dachte, wann ich wieder zurück darf.

Das Vorstellungsgespräch am Freitag ist gut gelaufen - der Personalchef war sehr freundlich und ich hatte das Gefühl, er findet mich passabel. Allerdings musste ich erfahren, dass es noch 20 andere Bewerber auf den Posten gibt und das ist weniger aufbauend. Dabei hätte ich in diese Privatklinik ganz gut gepasst, von meiner Qualifikation. Na ja, was soll's, ich kann es jetzt nicht mehr beeinflussen. Allzuviel Hoffnung habe ich nicht. Ich werde meiner beruflichen Laufbahn Reiki schicken, damit sich die Dinge einfach so entwickeln, wie es für mich gut ist - ohne viel Details, denn in der Einsheit fügt sich sowieso alles genauso, wie es sein soll.

Donnerstag, 12. März 2009

Agnes Feders Tagebuch


Bereite mich auf das morgige Vorstellungsgespräch vor - wird auch bald Routine. Bin recht zuversichtlich, dass es ein gutes Gespräch wird.


In der Regenpause zog es mich hinaus ins Freie und ich habe den blauen Himmel so genossen! Konnte nicht anders, als den ersten Teil der 5Elementeübung zu machen. Himmel und Erde verbinden. Unvergleichlich draußen in der Natur - die tiefe Erde an meinen Füßen, den Himmel und die Wolken in meinen Händen, und um den Kopf herum das Gefühl der grenzenlosen Freiheit, war wohlig gezogen zwischen Himmel und Erde, verbunden mit der einen Kraft. Das ist meine Kirche.

Mittwoch, 11. März 2009

Agnes Feders Tagebuch


Konnte gestern nicht richtig mit Papa reden, weil Tante Mette auch da war. Sie belagert ihn geradezu, macht ein riesen Tamtam, presst Orangen, bringt ihm die Zeitung und lauter solche Sachen. Mich hat sie zuckersüß empfangen, als wäre sie in Papas Wohnung schon daheim. Hat kein Wort über unsere "Seelenmessen - Auseinandersetzung" gesagt. Aber was mich erst so richtig alarmiert hat war der Blick, mit dem sie mich - ja - ich würde sagen - geschlagen hat! Wie hochmütig, siegessicher, triumphierend - als hätte sie es nicht nur mir, sondern auch Mutter und Großmutter heimgezahlt. Womit, frage ich mich.

Dienstag, 10. März 2009

Agnes Feders Tagebuch


Blauer Himmel - fühle mich gleich viel besser! Habe am Morgen Qi Gong geübt und gemerkt, dass meine Nase wieder frei ist, der Körper beweglicher. Bald kann ich wieder auf der Wiese üben - auf das freue ich mich schon so sehr. Fahre heute in die Stadt, treffe Theres, Besuche Papa (kläre mal ab, was Mette von ihm will) und übe am Abend Qi Gong und Zazen bei Carla. Das wird ein großartiger Tag werden, endlich wieder unter Menschen...

Montag, 9. März 2009

Agnes Feders Tagebuch


Dauerregen - durch die Wiese in der Senke kann man kaum noch gehen, ohne im Schlamm zu versinken. Wenigstens ist meine Erkältung im Abklingen und ich muss das Vorstellungsgespräch diese Woche doch nicht absagen. Esse viele Äpfel, die sollen angeblich helfen. Papa hat auch seit letzter Woche eine Grippe und Tante Mette pflegt ihn. Tante Mette. Das ärgert mich irgendwie. Was will sie von ihm? Natürlich bin ich froh, dass er versorgt ist, wo ich doch selbst krank war und mich nicht um ihn kümmern konnte. Trotzdem - dauernd streicht sie um ihn herum, die schwarze Witwe.

Samstag, 7. März 2009

Agnes Feders Tagebuch


Jetzt hat mich zu guter letzt doch noch ein Virus erwischt! Darf mich nicht beklagen, immerhin war ich den ganzen Winter gesund. Vor zwei Tagen noch lag ich mit Fieber, Schnupfen und Kehlkopfentzündung darnieder. Zum Arzt konnte ich nicht mehr fahren, dafür war ich zu fertig. Also habe ich Unmengen Eibischtee mit Süssholz getrunken, ein Kräuterpflaster auf die Fußsohlen/Yon Yuans geklebt und abends in Thymianauszug gebadet. Heute ist das Fieber weg und mein Kehlkopf frei - d.h. kein Antibiotikum! Bin begeistert von den Kräutern und dankbar, dass ich hier so nahe bei ihnen leben darf.

Mittwoch, 4. März 2009

Agnes Feders Tagebuch


Wie herrlich es ist wieder in der Erde zu arbeiten! Natürlich ist es zu früh, und ich weiß, dass noch ein Wintereinbruch möglich ist, aber das Leben kehrt zurück - alles ist einen Hauch grüner und ich habe die erste Blattspitzen der Narzissen gesichtet. Es riecht so frisch und erdig, beim Schneiden und Graben werden meine Gedanken leer, erneuert sich jede Zelle in meinem Leib. Selbst die Birkengruppe hat die alten Erinnerungen abgeschüttelt und schwillt im Saft des Neubeginns. Ich habe Ballast abgeworfen - das Haus entrümpelt, viel Zeug weggeschmissen. Bloß eins nicht - sein Bild.

Montag, 2. März 2009

Agnes Feders Tagebuch


Wunderbar! Die Vögel zwitschern so fröhlich, die Sonne geht deutlich früher auf, die Tage sind wieder länger und die Luft milder. Der Schnee schmilzt endlich - bald wird er nur mehr eine nostalgische Erinnerung sein. Ich freue mich auf das Sähen und Graben im Garten und auch Ashley, mein schwarzer Kuschelkater, scheint schon in Frühlingsstimmung. Er geht viel aus und bringt mehr Mäuse denn je nach Hause. Habe einen guten Plan: werde das Haus putzen, den Schuppen aufräumen und wenn das Wetter anhält, im Garten einige Sträucher schneiden. Möchte mit allem fertig sein, wenn ich wieder einen Job habe. Ein Vorstellungsgespräch wartet ja noch auf mich und das wird gut verlaufen, habe so ein Gefühl!