Dienstag, 30. Juni 2009

Agnes Feders Tagebuch


Morgen beginne ich in der Privatklinik - bin schon gespannt, wie es dort sein wird. Vom ersten Eindruck war's ganz OK. Bloß sind alle - wirklich alle, von der Krankenschwester bis zur Kanzleibediensteten - pippifein aufgemacht. Werde mir ein paar neue Sachen kaufen müssen. Sobald ich wieder Geld am Konto habe. Andererseits ist das ja nichts Neues, bei BabyStar war ja auch alles auf High Socity ausgerichtet.

Ich sollte mich schämen (tu es aber nicht!) - bin etwas melancholisch, weil es heuer wieder keinen Urlaub am Meer gibt. Das fehlt mir so - der Geruch, die Brise, der Sand zwischen den Zehen, das Schlagen der Wellen, die Geräusche der Nacht....

Sonntag, 28. Juni 2009

Tao Te King


Ohne aus der Türe zu gehen, kennt man die Welt.

Ohne aus dem Fenster zu schauen, sieht man den SINN des Himmels.

Je weiter einer hinausgeht, desto geringer wird sein Wissen.


Darum braucht der Berufene nicht zu gehen

und weiß doch alles.

Er braucht nichts zu machen

und vollendet doch.


aus: Laotse, Tao Te King, Diederichs 1999, 47

Samstag, 27. Juni 2009


Es ist so schwül wie im Dschungel - alles wächst wie verrückt, ich komme mit dem Schneiden im Garten nicht nach. Die Gewitter verschaffen nur wenig Erleichterung - die Sonne bringt alles zum Dampfen.
Paps geht es bei dem Wetter nicht besonders gut. Ich war bei ihm, um nach dem Rechten zu sehen. Mette war extrem abweisend zu mir. Warum ich sie überwache, fragte sie. Das ist mein Vater, hab' ich ihr gesagt, ich möchte für ihn da sein. Da hat sie nur gelacht und gemeint, ich sei nie da - schaue nur ab und zu auf ein paar Minuten herein. Spinnt die? Hatte letzte Nacht einen scheußlichen Traum, bete dass das alles nicht wieder anfängt...

Montag, 22. Juni 2009

Agnes Feders Tagebuch


Ich hab' den Job in der Privatklinik fix gemacht! Zwar wieder mal ein befristeter Dienstvertrag, aber immerhin. Die Chancen stehen gut, dass ich nach der Zeit weiterarbeiten kann. Gehalt ist nicht berauschend, aber es geht schon. Dafür gibt es keine Überstunden und ich kann meine Ausbildung bei Carla weitermachen. Bin sehr zufrieden.

Der Dauerregen ist dagegen etwas beängstigend. Beim Dach hat's schon reingeregnet - das wird wieder was kosten! Bei dem alten Kasten ist wirklich dauernd irgendetwas zu reparieren - aber es ist mein zu Hause geworden. Denke viel an Mutter und Großmutter. Kann mich noch an Großmutter erinnern, wenn sie Unkrautjäten ging, mit ihrem Strohhut...habe ein paar Zeichnungen gemacht aus dieser Zeit, machen mir ein gutes Gefühl.

Sonntag, 21. Juni 2009

Zen-Geschichten


TONGLEN

Zwei Schüler des Meisters hatten sich am Flussufer niedergelassen und genossen das warme Wetter. Da bemerkten sie nahe dem Ufer einen Skorpion, der zu ertrinken drohte. Der eine Schüler trat ohne weiter nachzudenken ins Wasser, ergriff den Skorpion und holte ihn heraus. Der Skorpion war gerettet, der Schüler jedoch trug einen äußerst schmerzhaften Skorpionstich davon.


Ein paar Tage später saßen die beiden Schüler wieder am träge dahinfließenden Fluss und tatsächlich entdeckten sie erneut einen Skorpion, der im Wasser zu ertrinken drohte. Derselbe Schüler rettete das Tier, brachte es ans sichere Ufer. Wieder war er vom Skorpion gestochen worden.


Der andere Schüler sagte daraufhin: "Weißt Du nicht, dass es in der Natur eines Skorpions liegt, zu stechen?"

Der angesprochene Schüler erwiderte: "Weißt Du nicht, dass es in der Natur des Menschen liegt, zu helfen?"


Quelle: zuletzt gehört von Emil Sandkuhl im QiGongForum/Xing

Samstag, 20. Juni 2009

Agnes Feders Tagebuch


Tja, ist nicht immer angenehm, Recht zu haben - Paps hat mir gestern kurzfristig abgesagt. Es ging ihm nicht gut - der Blutdruck war nicht in Ordnung und er fühlte sich einfacht schlecht.

Also bin ich hin, unangemeldet. Mette war nicht da.

Ich habe den Arzt zu einem Hausbesuch überedet und mir in der Zwischenzeit seine Medikamente angesehen. Wahnsinn, zehn verschiedene Packungen und zwei Briefchen waren sogar vertauscht worden. Paps war einwenig verwirrt und hat mir recht Sorgen gemacht. Der Arzt hat ihn untersucht und meinte, Paps brauche einen weiteren Blutdrucksenker. Ich dachte, ich spinne! Zehn verschiedene Tabletten und jetzt noch eins! Ich erzählte ihm von den vertauschten Tablettenbriefchen in den Packungen, daraufhin sah er sich das genauer an. Paps wusste nicht mehr, was er eingenommen hatte. Alsdann blieb die Vermutung, dass er die falschen Tabletten geschluckt hatte. Wir haben ihn die Tabletten für jeden Tag der Woche portioniert, damit keine Verwechslung mehr passieren kann. Ich weiß jetzt, was er wann braucht und werde Paps jede Woche die Tabletten herrichten und der Arzt wird Paps Blutdruck weiter beobachten.

Dann kam Mette und regte sich auf, dass wir sie nicht angerufen haben. Es war ihr auch nicht recht, dass ich die Tabletten künftig herrichten werde. Mann, war die giftig!


Ich habe aber nicht nachgegeben - auf Paps passe ich jetzt ein bissl besser auf. Das hätte ich früher machen sollen. Aber er war doch immer ein so starker Mann - hätte es ihn nicht verletzt, wenn ich ihn wie ein kleines Kind behandle? Hätte auch akzeptieren müssen, dass er alt wird....er mich verlassen wird...

Freitag, 19. Juni 2009

Agnes Feders Tagebuch


Wie die Lindenblüten duften -einfach betörend! Jetzt durch Wien zu gehen ist herrlich, denn es gibt viele Lindenalleen, auch in den Parks stehen viele dieser duftenden Bäume. Ihr Geruch ist so lieblich, besänftigend - ich liebe diese Zeit.

Es wundert mich nicht, dass in der germanisch und keltischen Kultur die Dorflinde das Zentrum der Gemeinschaft war. Unter ihr wurde Hochzeit gefeiert und Jahrmarkt abgehalten, die Alten trafen sich zum Plaudern und Dichter rühmten sie in ihren Gedichten und Liedern. Die Linde ist der Baum der großen Göttin, das weibliche Pendent zur (männlichen) Eiche. Die Blätter herzförmig, der Duft der Blüten süß wie die Liebe selbst. Von den Frauen wurden sie fleißig gesammelt, denn im Winter hilft der Tee bei Erkältungskrankheiten, fördert das Ausschwitzen und die Abwehrkraft.

Mittwoch, 17. Juni 2009

Agnes Feders Tagebuch


Es war so, wie ich's mir vorgestellt habe - Paps hat sich gefreut und Mette einen sauren Mund gezogen. Die Bemerkung: "Na, wer weiß wie lange das hält..." kam so leise, dass Paps es nicht hören konnte. Na ja.

Anscheinend übernachtet sie oft bei ihm in der Wohnung und kocht für ihn. Mamas Sachen auf der Kommode sind weg, durch Mettes Zeug ersetzt. Medikamentenschachteln, diverse Nahrungsergänzungsmittel, Blutdruckmesser. Hat Spitalscharme.

Morgen erfahre ich vielleicht mehr, wenn ich mit Paps ins Theater gehe. Hoffentlich wird das was - hab' so ein blödes Gefühl.

Dienstag, 16. Juni 2009

Agnes Feders Tagebuch


Unglaublich! Ich hab' den Job! Heute Morgen läutet mein Handy und die Personalistin von der Privatklinik ist dran. Der Jurist, den sie haben wollten, hat ihnen abgesagt - und nun geht die Chance an mich. Musste mich schwer zurückhalten, um nicht gleich "Jippiiiii" zu rufen! Werde also dieser Tage in die Personalstelle wandern und meine Personalien und Vertrag klar machen. Das ist so....ahhhhhh! Ich freue mich!
Werde heute wie ein Flamingo vor Mette stolzieren - Paps wird sich erst freuen!

Sonntag, 14. Juni 2009

Reden des Buddha


Und wie ist ein Mönch achtsam?

Beim Kommen und beim Gehen ist ein solcher aufmerksam, beim Hinblicken und Wegblicken gibt er acht, wenn er sich neigt und erhebt, nimmt er sich in acht. Trägt er Unter - und Obergewand und Almosenschale, ist er aufmerksam, beim Essen und Trinken, beim Kauen und Schlucken nimmt er sich in acht, beim Entleeren von Kot und Urin ist er in seinem Tun besonnen. Beim Gehen, beim Stehen, beim Sitzen, beim Schlafen, beim Wachen, beim Sprechen, beim Schweigen ist er aufmerksam.
(Digha-nikaya 16, 2, 11-13)
aus: Reden des Buddha, Reclam, 64

Samstag, 13. Juni 2009

Agnes Feders Tagebuch


Theres wird wiederkommen für eine Reiki-Behandlung. Es hat ihrem Rücken gut getan, hat sie mir bestätigt. Freue mich sehr! Wird ein schöner Nachmittag werden.

Meinen Paps konnte ich bislang noch nicht für Reiki erwärmen. Ist ja auch immer Mette da, die gleich von vornherein mit "So ein Blödsinn - das ist alles nur ein Hokuspokus um den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen." jedes vernünftige Gespräch verhindert. Habe gar keine Lust, mit ihr über so etwas Wertvolles zu reden.

Aber vielleicht schaffe ich es, mit Paps kommende Woche alleine zu sein. Habe ihn eingeladen, mit mir ins Theater zu gehen. Vorher gehen wir dann noch ins Kaffeehaus, das freut ihn und ich kann mit ihm reden. Er schaut nicht gut aus, fühlt sich müde und abgeschlagen. Würde ihm so gerne helfen.

Dienstag, 9. Juni 2009

Agnes Feders Tagebuch


Geburtstag - der Mutter danken für das Leben, das sie gegeben hat,

Sie vermissen, Sie suchen

und finden

in der schönsten Rose, die für mich blüht.

Montag, 8. Juni 2009

Agnes Feders Tagebuch


Sonntag war Vollmond und ich habe um dieses Ereignis herum jede Nacht die Mondübungen draußen, im Freien, gemacht - weil ich nicht anders konnte. So magisch ist mir der Mond noch nie erschienen, Nachts bin ich vollkommen gebannt von den Himmelserscheinungen. Der gestrige Mond war fast orangefarben, trunken, schwer, von Wolkenschleiern umhüllt und entblößt. Die Sterne leuchteten grell, als wäre etwas im Gange. Was? Ich weiß es nicht.

"Den Mond aus dem See heben" - ist eine Übung der Hingabe - der Erde gegenüber, deren Kraft man wirken lässt, - dem Himmel gegenüber, dem man sich vorbehaltlos ausliefert. Das Denken hört auf, die Seele kehrt Heim. Und manches klärt sich.

Sonntag, 7. Juni 2009

Bhagavadgita


"Die Wirklichkeit, die das All durchdringt, ist das unsterbliche Leben. Der Körper vergeht, die Seele jedoch, die das Wahre im Menschen oder der wahre Mensch ist, vergeht nicht, ist unsterblich. Die Seele tötet weder, noch wird sie getötet. Jenseits von Geburt und Tod, beständig und ewig ist die Seele. Wer diese Wahrheit kennt, tötet nicht, noch lässt er töten."

(2,17-21)

Samstag, 6. Juni 2009

Agnes Feders Tagebuch


Ich freue mich auf Theres - sie kommt heute zu mir, dem Schlechtwetter zum Trotz und möchte eine Reiki-Behandlung von mir. Es hat vielleicht ein paar Monate gedauert seit unserem letzten Gespräch über Reiki, aber das Thema hat offenbar in ihr gearbeitet. Ich finde es so wunderschön, dass sie mir vertraut, sich für diese positive Energie öffnet und es einfach mal ausprobieren will. Das kann ihr nur gut tun - ohne an irgendetwas glauben zu müssen. Denn wenn ich alle Worte über Reiki weglasse und ihr nur die Hände auflege, bleibt ihr immer noch eine intensive Selbsterfahrung und eine gesteigerte Wahrnehmung in der Beziehung zu mir, - und das für eine dreiviertel Stunde. Ruhe, Frieden, Stille.

Donnerstag, 4. Juni 2009

Agnes Feders Tagebuch


Pfingsten habe ich in Qi Gong-Übung und Meditation verbracht. Es war auch Zeit, in den Wald zu gehen. Viele Bäche zogen sich über den weichen Boden, denn die Regenfälle hatten für regen Zufluss gesorgt. Eine Fönwalze rollte beeindruckend über die Rax - und so sah es auch in meinem Kopf aus! Doch die Gundlrebe war am Wegesrand bereit und kühlte den Migräneanfall. Es war eine richtig gute Zeit! Jetzt hat mich der Alltag wieder und ich muss schon los in die Kanzlei.

Montag, 1. Juni 2009

Zen-Geschichten


VISITENKARTE

Keichu, der große Zen-Lehrer der Meiji-Zeit, war der Vorstand von Tofuku, einer Kathedrale in Kioto. Eines Tages meldete sich der Statthalter von Kioto zum ersten Mal bei ihm an. Sein Diener überreichte Keichu die Karte des Statthalters, auf der stand: Kitagaki, Statthalter von Kioto. "Ich habe mit so einem Kerl nichts zu schaffen!" sagte Keichu zu seinem Diener. "Sag ihm, er hat hier nichts zu suchen."

Der Diener gab die Karte mit einer Entschuldigung zurück. "Das war mein Irrtum." sagte der Statthalter und strich mit einem Stift die Worte "Statthalter von Kioto" aus. "Frag deinen Lehrer nocheinmal."

"Oh, ist das Kitagaki?" rief der Lehrer, als er die Karte sah. "Den möchte ich sehen."


nach 101 Zen-Geschichten, Patmos Verlag
Danke liebe Michi!