Donnerstag, 30. Dezember 2010

Agnes Feders Tagebuch


Der Kranich steht im eisigen Wasser, seine Beine so dünn und nackt, doch kein Zittern, kein Schwanken erfasst ihn, der Kranich steht.
Er schnappt sich den Fisch, fliegt zufrieden an Land.
Wir sehen seine Anmut und Stärke, den edlen Schwung seines Halses, die feine Zeichnung des Gefieders; ihm ist es gleichgültig.
Wir frieren, jammern über die tauben Glieder, schimpfen über die Eiseskälte des Winters,
der Kranich steht im eisigen Wasser und fischt.

Dienstag, 28. Dezember 2010

Agnes Feders Tagebuch


Ich konnte Paps zu einem Spaziergang überreden. Die eisige Kälte, von einem erbarmungslosen Wind vorangetrieben, hat uns jedoch nicht lange bleiben lassen. Nur wenige Menschen, die sich überhaupt hinaus wagten! Die Landschaft lag dennoch so friedlich vor uns, von Weiß und Schwarz geprägt, als hätte die Kälte alle Farben verschluckt.

Es genügt ein Windstoß und die Wolkendecke reißt auf. Kaum dass die Wintersonne enthüllt ist, lebt alles ringsum auf, ein Schimmern und Glitzern bezaubert; unter dem Eis ruhen die Karpfen und warten. Es ist versprochen, die Tage werden länger, die Hoffnung auf Wärme und Lebenskraft wächst.

Samstag, 25. Dezember 2010

Lebenskunst


Alles ist Eins

Frieden finden heißt
die Essenz erkennen

Den Ton wahrnehmen 
den allein das Herz hören kann

Sonntag, 19. Dezember 2010

Agnes Feders Tagebuch


Alles läuft gut - Paps hat wieder jemanden, der mit ihm Schach spielt, Ashley meidet die Kälte und kuschelt sich viel öfter zu mir ans Feuer - sein Pelz ist prächtig! - im Büro sind wieder alle da und keiner verbreitet Panik und Hektik.

Meine Ausbildung bei Carla neigt sich dem Ende zu. Die Meisterin will ihre Schülerin in die Welt entlassen, - allein, es fehlt etwas - ich kann es nicht benennen. Ein Durchbruch im Denken, ein Erlebnis, welches alles klärt...ich werde es erst wissen, wenn es da ist, wenn ich es unmittelbar erlebe, soviel ist sicher.

Derweilen schenkt mir Theres ihr Vertrauen - und ich freue mich so sehr darüber! Seit ich aus London zurückgekommen bin, waren wir doch gewissermaßen entfremdet. Da hat keiner "Schuld", ich weiß, dass ich mich sehr stark verändert habe. Aus ihrer Sicht war ich mit einem Male extrem - in der Zenpraxis, Reiki und Naturversunkenheit. Heute stehe ich mit jedem Bein in einer anderen Welt und doch gibt es nur eine.

Surya Namaskar


Ich, Mensch

zwischen Himmel und Erde gespannt

verbunden

es strömt die eine Kraft

Kreislauf ohne Anfang und Ende

Donnerstag, 16. Dezember 2010

Lebenskunst


In Meditation gehen - in die Mitte gehen.

Sein, ohne zu denken.

Sein, ohne zu bewerten.

Sein.

Ein Rausch ohne Mittel.

Dienstag, 14. Dezember 2010

Agnes Feders Tagebuch


Magische Worte, Zaubersprüche...macht es einen Unterschied, etwas auszusprechen - etwas anzusprechen - oder es im Geist zu beschwören? Es niederzuschreiben? Können Gedanken materialisieren?

Die tausend Buchautoren, die ihre Weisheit über positives Denken, NLP, und Bestellungen beim Universum niedergelegt haben, sind ja davon überzeugt.

Was sagt der schonungslose Selbstversuch: Ich habe der Situation im Büro Reiki gegeben, absichtslos - nun ja, schon mit dem kleinen Hinweis, dass sich die Situation zu unser aller Wohlbefinden verändern soll. Und tatsächlich - Kollegen kommen aus dem Krankenstand zurück (mit guter Laune), Problemfälle nehmen eine unerwartete Wendung, die Stimmung hebt sich.

Magie?

Es ist nichts weiter geschehen, als dass ich aufgehört habe, mir leid zu tun, meinen Groll gegen das Schicksal loszulassen. Stattdessen habe ich mich dem Licht und der Liebe geöffnet, das Leben angenommen und vertraut.

Das einzig "magische" ist die Liebe. Weg mit den Anführungszeichen!

Liebe ist magisch.

Liebe ist unsterblich - das feiern wir in den längsten Nächten des Jahres.

Montag, 13. Dezember 2010

Agnes Feders Tagebuch


Was soll das? Was ist los? Mein Schreibtisch quill über, das Telefon steht nicht mehr still, mein Chef beschließt krank zu sein und mir seine Aufgaben zu übertragen, die ganze Klinik steht Kopf...

Hallo Adventzeit...ruhig, besinnlich?

Alles muss bis zur "Deadline" = Heiliger Abend fertig sein, als wäre danach nichts mehr, als dürften wir nachher nicht mehr arbeiten. Großer Denkfehler!

Wenn wir völlig entnervt und aufgelöst unter den Christbaum sinken, uns die liebe Familie am Geist geht, die Geschenke doch nicht perfekt sind, wissen wir wie jedes Jahr - das war's einfach nicht wert.

Also bitte daran erinnern, liebe Leute, die ihr mir eure Arbeit umhängen wollt, relax, es passiert nichts, wenn das eine oder andere nach Weihnachten erledigt wird. Das Christkind kommt trotzdem, wir müssen nicht extra brav sein. Das haben sie nur für die Kinder erfunden, um ein Druckmittel zu haben. OK?

Sonntag, 12. Dezember 2010

Lebenskunst


In sich gehen -


den Innenraum erschließen

dem Licht folgen

in die Tiefe

nach innen

zur Quelle.

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Agnes Feders Tagebuch


Neulich im Wald - der Schnee verdampfte zu Nebel und hüllte alles in seine milchweißen Schleier - traf ich auf eine Gruppe Schneemänner und Schneefrauen.

Fleißige Kinderhände haben sie gerollt, geformt, verziert und haben ihnen - ja, warum zögern es auszusprechen - soetwas wie Leben eingehaucht. Gräser, Blüten, Beeren, Äste...alles was sich auf Wald- und Wiesenboden finden lies, schmückt sie, gibt ihnen Persönlichkeit. Plastikfrei, metalfrei stehen sie da, die Schneemänner und -frauen, mit soviel Liebe gemacht, ein Stück Kindheit haben sie in sich aufgenommen.


Mit dem nächsten Fönwind werden sie schmelzen und das allerschönste - NICHTS wird zurückbleiben, das Wasser wird die Wiese benetzen und fruchtbar halten, die abgestorbenen Pflanzen kleine Tiere nähren.


Vielleicht sickert etwas von der Freude und Hingabe der Kinder in den Boden und zeigt sich über die Blüten im Frühing wieder.
Das wurde mir gefallen.

Dienstag, 7. Dezember 2010

Agnes Feders Tagebuch


Mein "Um Himmels Willen"-Mann ist aktiv geworden. Voller Freude stürzt er sich auf meinen Eisenmangel und weil mir ja sonst nichts fehlt, mit einer Intensität, dass ich fürchte, morgen das Zeitliche segnen zu müssen. Tabletten hat er mir in die Hand gedrückt und eine Standpauke gehalten, woran ich jetzt alles sterben kann. Ich soll bloß nicht auf die Idee kommen, mit meinen Kräutern mich selbst heilen zu wollen. Mit Kräutern, Ernährung und dem ganzen Hokuspokus ist da nichts zu machen.

Heinrich, ach Heinrich - ich hab' bald ein Lied für dich beisammen, so nervst du. Ich werde keine Anämie bekommen und auch sonst nichts. Es geht mir total gut, solange du mich nicht krank redest. Entspanne dich wieder. Dies ist nicht dein Sprungbrett in mein Bett.

Sonntag, 5. Dezember 2010

Lebenskunst


Lege deine Hände auf;

auf deine Augen, deine Ohren,

dein Herz;

auf die inneren Organe.

Sei dankbar, lächle ihnen zu.

Lächle dir zu.

Dies ist dein Schatz.

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Agnes Feders Tagebuch


Claudius sitzt wieder dauernd bei mir herum - wiedermal eine seiner Beziehungen in die Binsen gegangen. Der Typ hat einen Verschleiß....der ist aber auch nicht einfach. Wenn ich mir seine Geschichten anhöre, bin ich heilfroh, ohne Beziehungskiste auszukommen. Claudius käme sowieso niemals in Frage, Heinrich ist ein "um Himmels willen" und auch sonst gibt es keinen, der mich begeistern könnte.

Siebert konnte es, er hat mich zum Lachen gebracht, zum Träumen, mit ihm war ich ganz. Nein, ich stelle keine Fragen, kein Warum, keinWieso einerlei, es ist nun mal so gekommen. In meinem Herzen lebt er fort, unauslöschlich.
Ich bin die Rose im Schnee, noch schön, doch längst erfroren.

Sonntag, 28. November 2010

Oscar Wilde


"...

Und jeder mordet, was er liebt,

Sei jeder des belehrt,

Mit schmeichelndem Wort, mit bittrem Blick,

Nach jedes Art und Wert;

Der Feige mordet mit einem Kuß,

Der Tapfre mit einem Schwert."


aus: Die Ballade vom Zuchthaus zu Reading, Oscar Wilde, De profundis, Diogenes Verlag

Mittwoch, 24. November 2010

Agnes Feders Tagebuch


Wenn Oscar Wilde meinte, kein Mensch sieht so aus, wie er wirklich ist - und er hat ja mit dem "Bildnis des Dorian Gray" diese Überzeugung wahrlich unterstrichen, meinte er da nur die Oberfläche? Die Maske, die wir so gekonnt vor unser Herz, vor unseren wahren Emotionen halten?

Sehe ich die extrem gelifteten Gesichter der gealterten Hollywoodstarletts, bekomme ich zuerst mal einen Schreck. Hilfe, ein Gespenst! will man rufen. Dann sehe ich die Augen dieser Frauen und fühle....Mitleid. Verloren im Außen, verstümmelt, heimatlos. Das geht auch mich an, uns alle.

Wie bin ich wirklich? Wie ist der Mensch wirklich?

Göttliches Ebenbild zu sein kann unmöglich den Körper betreffen. Mal ehrlich - ein Gott wird sich doch nicht mit so einem reparaturanfälligen Vehikel belasten! Na geh! Nicht mal daran denken!

Dieser göttliche Funke, der uns verbindet, das sind wir. Dort ist die Quelle, Heimat. Ohne Hokuspokus, Zeremonie, Weihe ect.; da braucht es nichts dazu. Und das Beste: Es ist leicht zu finden. Würden wir mal still sein.

Was einem nicht alles in den Sinn kommt, wenn man Weihnachtslichterketten im Garten montiert. Ich freue mich auf die Adventzeit. Mehr denn je.

Montag, 22. November 2010

Agnes Feders Tagebuch


Heute ist Feiertag! Ja - Simply Red Farewell Tour - ich bin dabei!!!

War ja auch letztes Jahr beim Abschiedskonzert und es war fantastisch - wie jedes Jahr. Die Spötter amüsieren sich selbstredend über diese weitere Farewell Tour. Dem möchte ich entgegenhalten, dass das Wissen um die Einmaligkeit des Ereignisses eine ganz besondere Atmosphäre entstehen lässt. Das kommt dem Publikum zu 100% zugute. Wer sich über Marketingstrategien ärgert, ist sowieso selbst schuld. Da kann er sich den ganzen Tag ärgern, bei jedem Plakat, jeder Werbeeinschaltung, jeder Zeitung.

Aus meiner Sicht können Simply Red jedes Jahr eine Farewell Tour machen. Und wem es nicht aufgefallen ist - wir alle geben jeden Augenblick unser Abschiedskonzert - oder gibt es jemanden, der die 100% Garantie übernimmt, dass er morgen noch dabei ist, beim Spiel des Lebens?

Freitag, 19. November 2010

Lebenskunst


Wende dich der Sonne zu.

Wende dich dem Herzen zu.

Geh in die Quelle.
Photo: Doris Schartmüller

Dienstag, 16. November 2010

Agnes Feders Tagebuch




Darf das wahr sein? Ich habe völlig auf meine Vorsorgeuntersuchung vergessen. Dabei, einfacher kann es nicht laufen - brauche nur nach Büroschluss einen Stock tiefer und nachfragen. Da gibt es natürlich jede Menge Rechtfertigungen: viel zu tun (immer gut!), Paps braucht mich am Abend, der Garten ruft, das Haus verdreckt ohne regelmäßige Pflege, dann war da meine Halsentzündung, wobei ich mich ansonsten voll fit fühle, Qigongkurs, Ausbildung, ...ja, ja, jede Menge Ausreden.
Immerhin war ich vorher schon bei einer TCM-Ärztin und die fand mich recht gesund. Habe ein paar Kräuter zur allgemeinen Stärkung der Abwehrkräfte bekommen und das war's. Reiki, Qigong, Meditation, das Leben mit der Natur...das alles lässt mich auf Geist und Körper vertrauen. Das Leben ist gut zu mir und ich bin gut zu mir. Ist das Leben mal nicht so gut, dann steckt zumindest irgendwo eine gute Lektion darin versteckt.
...aber ich werde diese Woche noch den Blutbefund holen. Ordnungshalber. Sicherheitshalber.

Freitag, 12. November 2010

Agnes Feders Tagebuch


Gibt es irgendeine Bauernregel, die da lautet: Wenn die Palmkatzerln zu Allerheiligen blühen, erntet der Bauer bald Rüben?

Ich bin ja jetzt nicht so wahnsinnig alt, als dass ich mit Jugenderinnerungen um mich werfen müsste, aber ich kann mich an einen November erinnern, Mitte November wohlgemerkt, da war unser Kamin kaputt und die Wohnung blieb ungeheizt - bei Minus 14 Grad Celsius. Das werde ich NIEMALS vergessen: November, -14° und kein Ofen.

Soviel hat man gar nicht anzuziehen, dass man trotz Kälte einschlafen kann.

Seither fühle ich in besonderer Weise mit allen Osteuropäern, denen der Gashahn abgedreht wird und mit den hiesigen Menschen, die sich im Winter das Einheizen nicht leisten können.

Gibt es ein Recht auf Wärme? Ist die Klimaerwärmung vielleicht ein genialer Schachzug der industrialisierten Welt im Kampf gegen die Kälte in der Welt? Fantastischer Gedanke, werde ihn der nächsten Weltklima-Konferenz spenden als Argument, weiterhin nichts für's Klima tun zu müssen.

Mittwoch, 10. November 2010

Agnes Feders Tagebuch


Nebelrose
Die letzten Rosen blühen, lassen ihre Farben leuchten ungeachtet der kalten Nächte, der trüben Tage. Nebelschwaden hüllen sie ein, zeichnen ihre Konturen weich vor dem Himmel. Seht her, sagen sie, eure Kalendereinteilungen interessieren uns nicht -

wir leben solange wir leben.

Sonntag, 7. November 2010

Agnes Feders Tagebuch


Jetzt hat mich auch ein Virus erwischt. Im Büro ist schon ein Drittel der Leutchen krank , nun bin ich auch dabei. Kein Wunder, geht ja jeder noch genau so lange arbeiten, bis er alle Kollegen erfolgreich angesteckt hat. Dann, nur dann darf man getrost im Bett bleiben und sich auskurieren.

Es muss eine Art Ehrenkodex sein. "Sieh her, ich bin soooo krank, aber ich gehe trotzdem arbeiten, hatschi, haben alle bemerkt wie pflichtbewusst ich bin?" Wer das NICHT macht, tja - der ist 1. nicht pflichtbewusst und 2. vielleicht gar nicht wirklich krank? Also muss es einfach sein.

Ich bleibe gleich im Bett, Eibischtee schlürfend. Sind zu wenige übrig, die von meinem Pflichtbewusstsein beeindruckt sein könnten.

Krishnamurti


"Ich behaupte, dass die Wahrheit ein pfadloses Land ist und dass es keine Pfade gibt, die zu ihr hinführen - keine Religionen, keine Sekten....In dem Moment, in dem man beginnt, jemanden zu folgen, hört man auf, der Wahrheit zu folgen."


Jiddu Krishnamurti

Freitag, 5. November 2010

Agnes Feders Tagebuch


Das Laub fällt, kein Wunder bei dem Föhnsturm! Leuchtende Farbstriche widersetzten sich, zappeln widerspenstig an den Ästen. Das schönste Herbstlaub tragen die drei Buchen. Sie stammen noch aus der Zeit, als der Berg menschenfrei und ein Wald war. Großmutter ließ sie stehen. Zurecht. Jeden Herbst danke ich es ihr, weil es alljährlich ein Wunder an Lebensfreude ist, ihre Herbstfarben zu bestaunen.

Die neu dazugezogenen Nachbarn fluchen wegen dem "Dreck" den sie machen. Ich hatte den Eindruck, sie erwarten von mir, dass ich zur Rasenhygiene rüber komme, weil das "mein Dreck" ist.

Ja, sie meinen das Buchenlaub. Für den Städter ist es Dreck, der den schönen englischen Rasen ruiniert, für den Naturfreund ist es Sauerstoffreservoir, Farbpracht und Kompost, der neues Leben hervorbringt.

Mittwoch, 3. November 2010

Agnes Feders Tagebuch


Es gibt eine "Engelführung" durch die Innenstadt, wo man an jeder Ecke auf eine Abbildung eines Engels aufmerksam gemacht wird. Unbeachtet umgeben sie uns, in unsere Alltagsgedanken verstrickt, hasten wir vorüber, sehen selbst die nicht, die in Stein gemeißelt nun wirklich nicht unsichtbar sind.

Aber mal ehrlich, wer glaubt denn noch an Engel? Priester vielleicht, eine Prinzessin aus dem Norden, einige Besucher des internationalen Engelskongresses in Salzburg, Kinder...na ja, da sind doch schon einige zusammengekommen.

Sollten wir nicht werden wie die Kinder? Das Sehen neu lernen? Mit dem Herzen sehen lernen?

Was genau sehen die Menschen eigentlich, die Engel "sehen" können?

Ich habe (noch) keine Antworten. Im Malen entstand mir ein Engel auf der Leinwand. Vom Erscheinungsbild klassisch und doch mit soviel Liebe erfüllt. Wenn ich ihn ansehe, geht mein Herz über, eine Quelle, die niemals versiegen kann sprudelt aus dem Bild wie aus mir hervor.
Ein erster Ansatz.

Montag, 1. November 2010

Agnes Feders Tagebuch


Samain, das Totenfest - Samain ist der schwarze Gott, der Jäger und Schlächter, der die dunkle Zeit des Jahres regiert, gemeinsam mit der schwarzen Göttin. Man merkt es auch am Fernsehprogramm - nichts als Horrorfilme. Wir fürchten den Tod, das macht den Horror aus.

Einst ehrten wir die Ahnen, suchten ihren Ratschlag. Das ist Geschichte. Das Rad des Lebens wird nicht mehr gelebt, weder im Tageszyklus, noch im Jahreszyklus, noch im Lebenszyklus.

Das Leben endet mit dem Tod. Bleibt nichts zurück außer Knochen unter einem Grabstein?

Stehe ich am Grab meiner Ahnen, sehe ich die Vergänglichkeit des Körperlichen. Gleichzeitig fühle ich ihren Geist fortwirken (diejenigen, die schon mal eine Familienaufstellung gemacht haben, werden das auch gesehen haben), Mutter, Großmutter. Das Totenfest gibt uns Gelegenheit inne zu halten, den Geist der Ahnen wahrzunehmen. Sie sind unsere Wurzeln in der Erde und Vermittler zur geistigen Welt.
Einst haben sie das Leben weitergegeben, den göttlichen Funken der Unsterblichkeit, der uns alle verbindet.

Samstag, 30. Oktober 2010

Oscar Wilde


"Ob Glaube oder Unglaube, nichts darf mir von außen zukommen.

Alle Symbole müssen meine eigenen Schöpfungen sein.

Das Spirituelle muss seine eigene Form erschaffen können.

Wenn ich sein Geheimnis nicht in mir selbst finde, so finde ich es nie.

Wenn es nicht bereits in mir ist, so wird es mir nie zuteil werden."


aus: Oscar Wilde, Aphorismen, insel taschenbuch

Freitag, 29. Oktober 2010

Agnes Feders Tagebuch


Friedhofsbaum Eibe - von alters her wird die Eibe mit Tod in Verbindung gebracht. Zurecht - sind ihre verlockend roten Früchte, vielmehr die Samen darin, wie auch das Blattwerk, giftig. Die Kelten vergifteten mit Eibenabsud ihre Pfeile und weihten den Baum der Totengöttin Morrigan. Kein Zauber kann vor der Eibe bestehen, denn sie lebt fast ewig, länger als Eichen.


Man muss das alles nicht wissen, außer dass die Früchte höchst giftig sind, um sich zu wundern, dass ein Kinderspielplatz mit Eibenbüschen bepflanzt wird. So in dem Park nächst meiner Arbeitstätte geschehen. Ich konnte es nicht glauben und doch, eindeutig eine Eibenart.


Nachdem die Regierung das neue Sparpaket bekannt gegeben hat, das deutliche Einschnitte für Familien bringt, wundere ich mich allerdings nicht mehr. Das passt schon alles zusammen.

Dienstag, 26. Oktober 2010


Gallus Gallus Domesticus - das Haushuhn lebt mit den Menschen schon lange Zeit, erste Nachweise der Domestizierung sind mit 6000 v.Chr. datiert! In der Hallstätter Kultur, frühe Eisenzeit, wurde Hühner im Stall gehalten, denn diese waren noch gut flugfähig. Vermutlich war diese Stallhaltung anders geartet als das heute praktiziert wird.

Der Hahn ist ein beliebtes Wappentier gewesen, Adelsgeschlechter berufen sich auf ihn und in den Naturreligionen war ein Hahn ein erfolgversprechendes Opfertier. Die Hahnenkämpfe sind mancherorts immer noch sehr beliebt. Kraft, Ausdauer, Zähigkeit, Potenz und Stolz verbindet man bis heute mit ihm.

Sprichwörter wie: Dummes Huhn! Blöder Gockl! zeigen, dass wir einander früher wohl gut gekannt haben müssen. Die Zeiten ändern sich. Der Städter nimmt Hühner lediglich in Form von Freilandeier- oder Bodenhaltungseierkartons wahr. Am Land wird gegen Hahn+Hühnerbesitzer prozessiert, weil das Krähen des Morgens den erholungsbedürftigen Städter stört - nein - wahnsinnig macht.
Macht das der Hahn oder zeigt er nur auf, was schon längst passiert ist, frage ich mich.

Samstag, 23. Oktober 2010

Agnes Feders Tagebuch


Sie leben in der Natur, suchen sie aus einer Sehnsucht, die sie nicht benennen können, aber sie spüren sie nicht, treten nicht in Verbindung, sondern bekämpfen sie. Wie kann es sonst erklärt werden, dass die Nachbarin ihren prächtigen Holunder umschneidet?
Den Baum der schwarzen Morrigan, der Frau Holle, der Hüterin der Seelen!
Er ist giftig und heilsam zugleich, trägt weiße Blüten und schwarze Beeren, ist Mittler zwischen Leben und Tod. Einst zog man den Hut vor dem blühenden Holunder und niemand wagte, einen Holunderbaum umzuschlagen. Er zieht Krankheit und Unglück ab, bindet sie und beschützt so das Haus. Wird er umgeschlagen, werden diese Energien freigesetzt und gehen auf die Hausgemeinschaft über.
Nun, die traurigen Überreste stehen weitab von meinem Haus, die Frau Nachbarin wird sehen, was geschieht. Ich wünsche ihr sehr, dass das alles nur Aberglaube ist, dumme Fantasien rückständiger Heiden...dass ich mir das Wehklagen der Pflanze und Elementswesen nur eingebildet habe. Die Beklemmung kann ich dort noch immer spüren, sie macht das Herz schwer und traurig. Es müsste ein Ausgleich geschaffen werden, doch der Zaun hält mich davon ab.

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Agnes Feders Tagebuch


Dieser Riese muss hunderte Jahre alt sein! Wenn ich auf ihn zugehen, nimmt es mir den Atem - wie tief die Wurzeln reichen, unvorstellbar...jeder seiner Äste ist so dick wie ein ausgewachsener Baum. Sein Stamm von mehr als 2 Meter Durchmesser, weist eine lebhafte Struktur auf, dass man meinen möchte, im nächsten Augenblick öffnen sich zwei Astnarben und seine Augen blicken verschlafen auf den Störefried.
Ein Gigant. Mächtig.

Unweigerlich fallen mir Tolkiens Worte ein, oder vielmehr die von Baumbart: "...I'm not going to tell you my name, not yet at any rate. (...) For one thing, it would take a long while: my name ist growing all the time, and I've lived a long, long time; so my name is like a story. ..."

Dienstag, 19. Oktober 2010

Agnes Feders Tagebuch


Ich bin so unbeschreiblich stolz auf Paps!

Seine Blutwerte sind fantastisch - der Langzeitzucker ist fast wieder normal - und das hat er nur mit der Ernährung geschafft. Der praktische Arzt, der Internist, die Diätberaterin, Krankenschwester und Turnusarzt - sie alle können nicht glauben, dass dies ganz ohne Medikament gegangen ist. Jedesmal fragen sie nach, welche Medikamente Paps für den Zucker nimmt und sind fassungslos, wenn er sagt, keine.

Ist denn das die Möglichkeit, dass es nicht einmal mehr probiert wird, OHNE einem Medikament eine Verbesserung herbeizuführen? Trauen wir unserem Körper, uns selbst, denn gar nichts mehr zu?

Medikamente sind gut, wenn nichts anderes mehr geht. Aber um Himmels willen, haben wir den Glauben an uns selbst schon soweit verloren, dass wir uns nicht vorstellen können, dass Heilung aus uns heraus geschehen kann?

Paps ist mein Held!

Sonntag, 17. Oktober 2010

Ingeborg Bachmann


"Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.

Wer, wenn nicht diejenigen, die ein schweres Los getroffen hat, könnten besser bezeugen, dass unsere Kraft weiter reicht als unser Unglück,

dass man, um vieles beraubt, sich zu erheben weiß,

dass man enttäuscht, und das heißt, ohne Täuschung zu leben vermag."


aus: Ingeborg Bachmann: Gedichte, Erzählungen, Hörspiele, Essays. München 1964

Dienstag, 12. Oktober 2010

Agnes Feders Tagebuch


Wo Elfen und Kobolde leben könnten, fragte mich die Tochter von Irene. Das wissen nur Kinder, musste ich gestehen. Erwachsenen fehlt der tiefe Blick, jedenfalls den Meisten.


Denn man muss schon sehr tief sehen können, und damit meine ich nicht genaue Details sehen sondern alles, selbst die Luft, das Sichtbare und das Unsichtbare gemeinsam, mehr als die fünf Sinne hergeben, muss man wahrnehmen können. Der Verstand steht diesem Vorgang derart im Weg, dass man gar nicht bemerkt, dass das so ist.


Wir waren gemeinsam am Teich, ganz still, ganz ohne zu sprechen. Da war ein Surren in der Luft, ein moosiger Duft, ein Sonnenstrahl brach sich auf einem Tautropfen und das Herz war ganz leicht. Die Kleine lächelte und ich war mir sicher, hier sind wir richtig...

Montag, 11. Oktober 2010

Agnes Feders Tagebuch


Herbstspaziergang
Was für strahlende Tage...wie gut es tut, durch den Wald zu gehen, über Wiesen zu blicken, in die Ferne zu schweifen und doch die weiche Erde unter den Füßen zu spüren. Die Farben übertreffen einander an Leuchtkraft und Intensität so sehr, dass man diese Schönheit nicht für Real halten möchte. Ein Maler würde verlacht werden, griffe er derart froh in den Farbentopf!

Und doch ist das ein Tatsache, - genauso wie Giftschlamm in Ungarn, und wo überall noch die Erde für ewige Zeiten verseucht ist. Machtlos fühlt man sich und beschämt, weil man Teihabe hat am Alu/Plastik/Erdöl undwasnochalles -Konsum. Austiegsszenario: Ich werde Wanderschäferin...aber das überlege ich mir lieber noch mal gründlich.

SUKKHA


"Mein wertvollstes Tun ist mein Nicht-Tun: Wenn ich mit der Geburtshilfe warte und das Mutterschaf es alleine schafft; wenn ich meinen Schrei nach der Hündin unterdrücke und sie von selbst dem Auto ausweicht; ..."

Hans Breuer, Wanderschäfer


aus: SUKKHA oder des Wachträumers Fidelisa, Helmut Hüller& Genro Laoshi, 147; ISBN 978-3-200-01769-6

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Agnes Feders Tagebuch


VERBUNDENHEIT

Nieselregen & Halskratzen, das scheint zusammen zu gehören. Also was für ein Glück, dass büschelweise die Salbeizweige in der Küche hängen - trinke morgens und abends eine große Tasse - dabei genügen zwei bis drei Blätter - und das Halskratzen hat ein Ende.

Das kann man sich nicht in der Apotheke kaufen, dieses Gefühl, direkt von Mutter Erde beschenkt zu sein, dass sie dafür sorgt, dass es mir gut geht. Ich habe diesen Salbei gepflanzt, gepflegt, sie hat ihn wachsen lassen, ich habe ihn dankbar geerntet, zubereitet, getrunken.
Vielleicht kann ich irgendwann Mal ganz hier draußen am Berg leben, ohne Juristerei.
Träum' ich, und hole den nächsten Akt hervor...

Montag, 4. Oktober 2010

Agnes Feders Tagebuch


Ich muss eine Lanze für alle Lehrerinnen brechen: Nach einer fantastischen Kindergeburtstagsparty, für die ich als Spieleleiterin eingesprungen bin, weiß ich, warum ich NICHT Lehrerin geworden bin - ein Haufen braver, gutgelaunter Kinder überreizt die Nerven nach drei Stunden, dass man mit einer heißen Milch ins Bett will, abgedunkelt, schalldicht.

Hut ab, liebe LehrerInnen, Hut ab! Ihr seid großartig. Und ich bin heute wieder unter stillen, emotionsverhaltenen Erwachsenen, - eigentlich langweilig.

Sonntag, 3. Oktober 2010

Rumi


"Du bist der ungezähmte Geist, der in seiner Daseinsform gefangen ist wie die Sonne in ihrer Umlaufbahn."

Rumi

Dienstag, 28. September 2010

Agnes Feders Tagebuch


In der Klinik bieten sie den Mitarbeitern eine Gesundenuntersuchung an. Heinrich hat mir Blut abgenommen - das hat er mit viel Gefühl gemacht, ich war ganz überrascht. Ich habe ihn ja mehr als Totschläger von Finn in Erinnerung. Überhaupt ist er ein gar kalter Fisch. Kommt immer zu mir, um seine Seele zu wärmen...

Ich machte eine Bemerkung wie: Na hoffentlich macht's keine Therapie mit mir, obwohl ich gesund bin. Heinrich hat gelacht und gemeint, das machen sie nur bei Privatpatienten.

Ist doch irgendwie tröstlich, dass es auch Vorteile hat, wenig Kohle zu haben.

Freitag, 24. September 2010

Agnes Feders Tagebuch


Der Fönwind braust wiedermal durch meinen Kopf und alles spannt sich an. Die Buchstaben am PC verschwimmen, das Denken wird schwer. Werde mir ein ruhiges Plätzchen in der Mittagspause suchen und dem Schmerz nachspüren, dort loslassen, wo er herkommt. Und Pfefferminzöl, das hilft auch immer sehr.
Bald wird's regnen, dann ist es wieder gut - zumindest in meinem Kopf.

Mittwoch, 22. September 2010

Agnes Feders Tagebuch


Surya Namaskar, die Begrüßung der Sonne.
Eine Übung, die alle inneren Organe kräftigt und belebt, dem Körper Geschmeidigkeit und Kraft schenkt. Auf der geistig-seelischen Ebene vermag diese Übung gleichfalls sehr viel. Die Vorstellung, zwischen Himmel und Erde das Verbindungsstück zu sein, der Sonne zu huldigen und sich vor der Erde, die uns ernährt, zu verneigen, schafft Dankbarkeit und Demut, - und so manche andere Einsicht.

Sonntag, 19. September 2010

Agnes Feders Tagebuch


Der Salbei ist heuer gut angewachsen!

Hoffentlich bedeutet das nicht, dass ich diesen Winter viel Husten muss. Vielleicht braucht ja noch jemand Salbei - die Kinder von Irene, Paps, Theres, Peters Familie...für die Kinder mache ich ihn als Sirup, für die Großen als Tee oder als Wein.

Die alten Römer haben sich ihren Salbei in unsere Breiten mitgenommen, so eine wertvolle Heilpflanze war er ihnen! Später wurde er vor allem in Klostergärten kultiviert. Ein Allheilmittel, weil er entzündungshemmend wirkt, den Magen stärkt und Krämpfe löst. Beim Lammbraten ist er unverzichtbar. Weil der Salbei antibakteriell ist, hält auch ein Aufstrich mit ihm eingearbeitet länger, genauso wie Brot.

Ich denke, unter diesen Umständen finde ich genug Abnehmer für meine Ernte.

Lebenskunst


Heute ist der erste und letzte Tag.

Heute umarme ich dich, als gäbe es kein Morgen.

Montag, 13. September 2010

Agnes Feders Tagebuch


Die Peitsche - eine Übung, die mich gerade jetzt beschäftigt. War auf einmal da und wollte geübt werden. Ich habe sie auch Paps gezeigt, der allerdings meine Begeisterung nicht teilen wollte. "Zu anstrengend." meinte er. Dabei muss er ja am Anfang nicht so tief stehen, jeder macht eine Qigong-Übung so, dass er keine Schmerzen hat.
Gerade bei dieser Form sind Anspannung und Entspannung stark im Vordergrund, Kraft und Beweglichkeit, Wissen wo man steht, wie man sich bewegt, wo die Arme, Beine, der Kopf sind, - sie fordert totale Achtsamkeit, sie fordert mein Wesen heraus, drängt die Gedanken zurück.

Diese Übung zu durchdringen hat sich dieses Wochenende aufgedrängt und das dauert vielleicht Jahre. Dennoch, ich kann wieder Arbeiten, kann bei mir sein und mir die Machenschaften der anderen vom Leib halten.

Sonntag, 12. September 2010

Agnes Feders Tagebuch


Schneiden, Schneiden, Schneiden.

Es ist Herbst, alles Gesträuch wuchert wie verrückt, die Wege im Garten sind zugewachsen. Also nichts wie ran an die Heckenschere und etwas Leere in die Fülle bringen. Zumindest soviel, dass ich wieder durchgehen kann.

Die Nacktschnecken hatten heuer Hochsaison - die haben meinen Rucula-Salat verputzt, kaum dass sich ein Trieb aus der Erde wagte. Immerhin, heuer trägt das Apfelbäumchen - ich kann die Apfelernte kaum erwarten!

Herrlich dieses Gartenleben, nach der Arbeit oder zwischendurch eine Tasse Tee genießen, die Vögel, Eichhörnchen, Bienen und Hummeln beobachten...nie mehr will ich in der Stadt wohnen.

Lebenskunst


Lebenskunst...

...die Talente schätzen und nutzen, die einem gegeben sind - alles andere schafft Verwirrung.

Donnerstag, 9. September 2010

Agnes Feders Tagebuch


Heute konnte ich nicht ins Büro. Konnte einfach nicht. Mir ist heute nach Urlaub am Meer, weit weg sein, von niemanden etwas hören oder sehen. Da das Meer außer Reichweite ist, werde ich mich mit dem Rauschen des Waldes begnügen.

Mir hat diese "Mailand-Sache" keine Ruhe gelassen also habe ich im Zeitungsarchiv gestöbert. Hätte ich es nur gelassen! Der Standard brachte am 12.6.2008 einen Artikel über eine Mailänder Horrorklinik, einem Privatspital. Durch Fälschung der Patientenakte hatte es sich bei der Abrechnung mit der Krankenkasse um 2,5 Mio Euro bereichert. Aber das ist nicht das Schlimmste. Menschen wurden ohne triftigen Grund operiert, einige sind gestorben.

"Eine Brust ist ist eigentlich nicht viel wert, aber wenn sie Krebs hat, dann bringt sie € 5.000,-." -das hat ein dortiger Arzt tatsächlich gesagt. So hat man unter anderen einer 18-jährigen die Brust entfernt, obwohl eine Gewebeuntersuchung ausgereicht hätte.

Hat unser Oberarzt das gemeint, als er sagte, glücklicherweise haben wir einen so guten Ruf, sonst ginge es uns wie den Mailändern? Oder doch ganz was anderes? Ich bin schon so misstrauisch geworden, dabei wollte ich einfach nur einen ruhigen Job. Wenn ich es gerne aufregend gehabt hätte, wäre ich zur Polizei gegangen - ich brauche das wirklich nicht!

Dienstag, 7. September 2010

Agnes Feders Tagebuch


Die Dinnerparty war eine betriebsinterne Besprechung - mit Essen und Weinbegleitung. Hat Heinrich außerhalb der Klinik keine Freunde? Und ich die einzige Nicht-Medizinerin, Nicht-Krankenschwester. Dementsprechend amüsant gestaltete sich der Abend. Eigentlich ein Streichergebnis, bis auf den einen Kollegen, der meinte: "Gut, dass wir so einen hervorragenden Ruf haben, sonst ginge es uns wie den Mailändern."

Den Sager fand ich doch seltsam - und überraschend. Das stach aus all den anderen Wortmeldungen heraus wie neonfarbener Lippenstift im Kloster. Ich muss den Typen - Entschuldigung, den Herrn Oberarzt Langa - angestarrt haben, weil er mich dann ebenfalls misstrauisch gemustert hat. Beim Augenkontakt bekam ich Impressionen seiner Gefühle, es war fast wie damals mit Michelle, gespenstisch. Die ganze alte Geschichte stand mir wieder gegenüber.

Sonntag, 5. September 2010

Rilke


"...Hiersein ist herrlich. Ihr wusstest es, Mädchen, ihr auch, die ihr scheinbar entbehrtet, versankt-, in den ärgsten Gassen der Städte, Schwärmende, oder dem Abfall Offene. Denn eine Stunde war jeder, vielleicht nicht ganz eine Stunde, ein mit den Maßen der Zeit kaum Meßliches zwischen zwei Weilen-, da sie ein Dasein hatte. Alles. Die Adern voll Dasein.

Nur wir vergessen so leicht, was der lachende Nachbar uns nicht bestätigt oder beneidet. Sichtbar wollen wirs heben, wo doch das sichtbarste Gück uns erst zu erkennen sich giebt, wenn wir es innen verwandeln. ..."


aus: Duineser Elegien, Reainer Maria Rilke, Surkamp, 45

Samstag, 4. September 2010

Agnes Feders Tagebuch


Paps hat sich die andere Schulter auch verletzt, kaum dass die alte Verletzung geheilt ist. Nach den Untersuchungen ist laut Arzt nichts weiter zu machen, als die Muskulatur zu schonen und zuzuwarten, das kann Monate dauern. Paps war ganz verzagt, bei jeder Bewegung, und sei es Klogehen, hatte er Schmerzen.

Ich habe ihm Reiki angeboten, das hat sich ja schon mal bewährt, und - als hätte er nur darauf gewartet - hat Paps sofort angenommen. Ich freue mich, wenn ich was für ihn tun kann und mir kommt vor, er genießt unsere gemeinsame Zeit sehr. Die Schmerzen sind schon viel weniger geworden, auch die Beinwellcreme wirkt recht gut. Werde ihm auch Beinwellwurzel-Umschläge machen, die helfen oft ganz großartig.
Abends gehe ich zur Dinnerparty von Heinrich. Irgendwie nett, dass er mich einlädt, obwohl er längst gemerkt hat, dass bei mir nichts geht. Es kommen einige Leute aus der Klinik, also ist zu befürchten, dass überwiegend vom Job geredet wird. Und, dass alle glauben, ich hätte doch was mit Heinrich.
Warum gehe ich eigentlich hin?