Sonntag, 28. Februar 2010

Agnes Feders Tagebuch


Finn ist so ein Schlitzohr! Er lauert hinter den Pflanzen, regungslos - kaum schwimmt MagistaAnna vorbei, schnellt er vor und beißt sie in den Po.
Die wird ganz narrisch und saust ungebremst gegen die Scheiben des Aquariums.
Krank, der Typ!
Trotzdem sucht MagistaAnna seine Nähe, ich vermute, in dem Biotop war sie mit vielen anderen Goldfischen beisammen.
Beim Fressen ist sie Finn, vieleicht gerade deswegen, hochhaus überlegen - so schnell kann er nicht schauen, ist das Futter von ihrem riesen Maul angesaugt.

Samstag, 27. Februar 2010

Agns Feders Tagebuch


Schneeschmelze - habe den ersten Krokus entdeckt und die Narzissen stecken die Köpfchen aus der Erde. In den Senken steht das Wasser, die Erde kann es nicht aufsaugen. Das Leben bewegt sich wieder sichtbar für uns Verblendeten. Das Grün der Wiese ist frisch und die Zweige belebt und farbiger als noch Tage zuvor.

Ich hatte heute so ein Gefühl, ja, Unruhe könnte man es nennen.

Bin zu Paps hineingefahren und siehe da - Tante Mette in der Küche! Habe sie gefragt, was sie da treibt. Gut, das war nicht sehr freundlich von mir. Auch nicht, dass ich verlangt habe, dass sie selbst isst, was sie da gekocht hat. Ganz komisch hat sie mich angeschaut, aber gegessen.

Die kommt nicht mehr kochen.

Donnerstag, 25. Februar 2010

Agnes Feders Tagebuch


Wunderschöner Tag heute!
Was für ein Himmel - soviel kräftiger, und die Vöglein singen schon um sechs Uhr morgens - Frühling ist im Anmarsch! Die Birken wirken so gestärkt, es muss schon Saft in ihnen fließen. Ich trinke noch Tee mit Birkenblättern drinnen, von Sonnentor, das pflegt meine Nieren. Das soll auch mich stärken - immerhin, den Katarrh habe ich ohne Antibiotika wegbekommen.

Heute übe ich wieder mit Paps Qi Gong. Er macht sich schon ganz gut und ist sehr viel beweglicher geworden. Bin sehr stolz auf ihn!

Montag, 22. Februar 2010

Agnes Feders Tagebuch


MagistaAnna hat sich erholt. Wirklich zäh, die Dame (vermute ich mal, dass sie eine Dame ist - woran erkennt man das bei Goldfischen?).


Mit den Abmessungen des Aquariums allerdings kämpft sie noch.

Bisher hat sie in einem Biotop gelebt und jetzt auf 0,054m³ - das macht mir ein schlechtes Gewissen,echt. Habe schon überlegt, selbst einen Tümpel anzulegen, bloß - meine Ersparnisse hat mein Zahnarzt.

Muss für Finn und MagistaAnna einen Teich finden, hilft nichts. Die sind einfach zu groß!

Sonntag, 21. Februar 2010

Rainer Maria Rilke



Solange du Selbstgeworfenes fängst, ist alles
Geschicklichkeit und lässlicher Gewinn - ;
Erst wenn du plötzlich Fänger wirst des Balles,
den eine ewige Mitspielerin
dir zuwarf, deiner Mitte, in genau
gekonntem Schwung, in einem jener Bögen,
aus Gottes großem Brückenbau:
erst dann ist Fangenkönnen ein Vermögen, -
nicht deines, einer Welt. Und wenn du gar
zurückzuwerfen Kraft und Mut besäßest,
nein wunderbarer: Mut und Kraft vergäßest
und schon geworfen hättest,...(wie das Jahr
die Vögel wirft, die Wandervogelschwärme,
die eine ältre einer jungen Wärme
herüberschleudert über Meere -) erst
in diesem Wagnis spielst du gültig mit.
Erleichterst dir den Wurf nicht mehr; erschwerst
Dir ihn nicht mehr. Aus deinen Händen tritt
Das Meteor und rast in seine Räume.....


aus: Die Gedichte 1922 bis 1926 (Muzot, 31. Januar 1922)

Freitag, 19. Februar 2010

Agnes Feders Tagebuch


Nebelschwaden über, um und in der Stadt - schaue aus dem Fenster und sehe die Gespenster der Vergangenheit.

Sollte lieber arbeiten, es ist gestern genug liegen geblieben. Das Assessmentcenter ist ganz gut über die Bühne gegangen, trotz Katarrh. Sieht aus, als helfen mir meine Freunde aus der Natur, Goldrute, Birke und Schachtelhalm. Und Reiki, natürlich.

Habe jedenfalls keine Schmerzen mehr. Jetzt brauche ich nur ausreichend Disziplin, um weiter die drei Liter Tee runterzuspülen, bis alle Bakterien ersoffen sind. Oh, zu aggressiv...ich meine, bis alle Bakterien den Weg zum Donaukanal gefunden haben. Lebt wohl!

Donnerstag, 18. Februar 2010

Agnes Feders Tagebuch


Blasenkatarrh - kann man sich mieser fühlen? Wahrscheinlich ja, ist aber derzeit nicht vorstellbar. Muss gerade heute ins Assessmentcenter, um für mein berufliches Weiterkommen zu punkten, hab' mich vorbereitet und alles mögliche getan. Und jetzt das...ausgerechnet. Nicht schon wieder Antibiotika - dann ist wieder der Darm und die Flora kaputt, ach!

Zufall? Frag' ich mich.

Was fällt da zusammen? Ist die bessere Frage - und vergleiche meine Situation mit dem letzten Mal, wo mich das höllische Brennen gequält hat.
Angst? Wovor? Schaue genauer hin und sehe, dass ich mit großem Druck das Leben in einer bestimmten Weise gestalten will, mich darauf versteife, etwas unbedingt zu erreichen, so sehr, dass ich nicht versagen darf.

Somit eine Warnung meines mitfühlenden Körpers.

Jetzt trinke ich noch einen halben Liter von dem Goldruten/Birkentee und gebe mir den Schachtelhalmdampf und wenn das alles nichts hilft, dann muss ich mir halt die Antibiotika holen, dann kann ich es nicht ändern.

Montag, 15. Februar 2010

Agnes Feders Tagebuch



MagistaAnna wurde von mir umgetopft - welch ein Drama!


Mal den Fisch aus dem Waschbecken zurück in das Glas bringen - das ging ja noch - aber mit dem Ding U-Bahn fahren und es ohne umkippen im Auto auf den Berg zu transportieren, nein, ich will mich nicht erinnern.


Ich sag' nur "Schwapp".


Den Rest des Glasinhalts habe ich vorsichtig ins Aquarium gleiten lassen. MagistaAnna ist gleich zu Boden gesunken, hat nach Luft geschnappt und sich nicht gerührt.


"Das war's dann. Hab' sie zu früh mit einem Namen bedacht, jetzt wird's persönlich..." Mag echt keine Leichen mehr sehen, auch wenn sie Fische sind...esse nur fertig panierte...


Finn, der Feigling, hat sich hinter den Blättern versteckt. Ja, MagistaAnna ist einiges größer als er! Habe ihn das erste Mal kleinlaut erlebt. Bei dem Kerl eine Sensation.

Samstag, 13. Februar 2010

Agnes Feders Tagebuch


Die Wächter besucht - heute wirkten sie verschlafen, als wären sie die Kälte leid. Ist wohl meine Projektion, um diese Zeit sehne ich mich schon sehr nach dem Frühling, den ersten Blumen, dem ersten Grün.

Doch noch liegt alles verborgen unter Schnee und Eis, träumt von dem was war, so wie es wieder sein wird, im Kreislauf des Lebens.

Wir träumen das Leben und das Leben träumt uns.

Ewig.

video

Donnerstag, 11. Februar 2010

Agnes Feders Tagebuch




Schnee, Schnee, Schnee...wunderschöne Blumen, die sich auf Hut, Schal und Haar setzten, so zart und fein, so rasch verschwunden, geht man ins Haus. Diese verzauberten Wassertropfen, deren Gewicht nicht zu bemerken ist, schweben durch die Lüfte, man könnte meinen, der Schwerkraft entzogen. Mühelos. Setzten sich in jede Ritze des Hauses, in jede Kerbe der Baumstämme, kein Ort, an dem sie sich nicht einfügen könnten.


In den Bergen zerdrücken sie die Menschen, werfen sie gegen die Felsen, nehmen ihnen den Atem, den heißen, der sie vermeintlich zum Schmelzen bringt.
Mächtige Naturgewalt, unbezwingbar, weist uns unseren Platz zu.


Mittwoch, 10. Februar 2010

Agnes Feders Tagebuch


War meine Verwandtschaft besuchen, immer einen Ausflug wert! So gut gegessen, gemütlich getratscht und schöne Winterspaziergänge gemacht.

Waren auch wieder mal am Thaler Kirchberg. Dortige Fuchskirche lässt mich ganz unentschlossen, ob ich sie mag. Eigentlich nicht. Würde mir für einen meditativen Raum auch farblich mehr Ruhe wünschen. Hat was von einem Rummelplatz - für mich. Über Geschmack kann man ja bekanntlich streiten...

Montag, 8. Februar 2010

Agnes Feders Tagebuch


Überraschung - komme in mein Büro und am Tisch steht ein Glas mit einem RIESEN Goldfisch! Was?! denke ich.

Der Fisch steht fast kopfüber in seinem Glas und schnappt nach Luft, also schon Wasser durch die Kiemen, aber es scheint nicht genug zu sein.

"Also retten!" und bringe ihn auf's Damenklo - lasse das Waschbecken ein und den Fisch schwimmen. Glaube schon, er wäre hinüber, aber der ist ein zäher Brocken. Fast ein Weihnachtskarpfen. Die Damen im Büro sind nur mäßig begeistert.

Finde dann später einen Zettel auf meinem Tisch: "Fisch für Magista, Anna."

Danke, Anna! Wie soll so ein ausgewachsenes Fischlein in meinem kleinen Aquarium leben?

Freitag, 5. Februar 2010

Agnes Feders Tagebuch


ZAHNARZT - statt Arbeit? Das geht alleine schon deshalb nicht, weil sonst das Geld für den Zahnarzt fehlt.

Gestern Nacht ist meine Goldplombe herausgebrochen und am seidenen Faden gehangen. Nein, was zuerst wie mein Nervenstrang ausgesehen hat, war in Wirklichkeit das Bändchen aus der behandelten Wurzel - habe keine Nerven mehr...

Und das Goldbrockerl ist da so runtergebaumelt und ich habe überlegt: Anreißen oder abschneiden? Was wird das wieder kosten? (noch ein paar Schimpfwörter...)
Habe die Nagelschere gezückt und das Gold geerntet.

Heute weiß ich schon, wieviel es etwa kosten wird: € 750,-

WARUM habe ich eigentlich Jus studiert?????

Mittwoch, 3. Februar 2010

Agnes Feders Tagebuch


Wenn's zu Maria Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nimma weit....gestürmt hat es, waren auch einige Schneeflocken zu sehen.

Das dunkle Götterpaar verwandelt sich - Morrigans Ende ist die Reinkarnation Brigits, die jungfräuliche Göttin. Sie erweckt die Erde zu neuem Leben. Ihr Baum ist die Birke. Die Kelten zapften zu ihrer Ehre Birkensaft und brauten daraus Birkenmet. Mit Birkenreisig wurden rituelle Reinigungen vollführt.

Dies ist die Zeit der Hoffnung und Freude, Fastnachtszeit. Übrigens: Fastnacht kommt nicht vom Fasten. Vor der christlichen Missionierung waren die Feste zum Winterausklang ausschweifende Fruchtbarkeitsorgien, die sukzessive verboten wurden. "vaselen" kommt von fruchten bzw. gedeihen...

Montag, 1. Februar 2010

Agnes Feders Tagebuch


Putzi lebt!

Habe ihn in der Dämmerung herumwuseln gesehen, war aber gleich wieder in der Höhle verschwunden. Muss mich bei Finn entschuldigen, er kann sich anscheinend doch besser benehmen als mir kolportiert wurde.

Wir schauen einander schon etwas freundlicher an. Etwas. So ein nervöser Fisch - habe mit einem Kollegen gesprochen, der ein Aquarium hat. Der meinte, die Barsche sind so. Aber wenn ich dem Finn in die Augen sehe, dann fühle ich Einsamkeit.

"Romantisch veranlagt" meinte mein Kollege,

'Ne Frau halt...waren seine Gedanken. Unsere Putzfrau war ganz begeistert.

"Werde Fisch bringen! Frau, wo ich putze nach die Arbeit hat Teich..."

Bin mir nicht sicher, ob ich das der guten Anna erfolgreich ausreden konnte.