Mittwoch, 31. März 2010

Agnes Feders Tagebuch


Gestern hab ich's mal geschafft, früher heim zu kommen und bin gleich in den Wald. Alles voller junger Bärlauchblätter - herrlich - konnte nicht anders, als ein Sackerl voll zu pflücken. Das gibt Bärlauchpesto und Bärlauchaufstrich der besten Güte - frischer geht's nimma.

Noch im Wald hab ich in die knackig, saftigen Stiele gebissen, da ist ein Qi drin - das ist die geballte Frühlingskraft!

Montag, 29. März 2010

Agnes Feders Tagebuch


Sensationell!

Der Putzerfisch hat sich hinter der Wasserpumpe zu einem Riesen ausgewachsen! Nun erscheint er mutig auf der Glasscheibe und tut, wofür er gekauft wurde äußerst selbstbewusst.
MagistaAnna dümpelt dumpf durchs Wasser und stößt manchesmal an Putzi an - dann ist es vorbei mit dem Selbstvertrauen - und Putzi wuselt panisch davon.


Trotzdem - was für ein Fortschritt!

Sonntag, 28. März 2010

Meister Genro


In Namen- und Begrifflosigkeit findest du die Freiheit,

die der Mensch erreichen kann,

um wieder zu "werden wie die Kinder".


aus: Genro Laoshi, Zen.sucht nach dem Wanderer, 73, http://www.top-team-trainings.com/medien/ZENsucht.php

Samstag, 27. März 2010

Agnes Feders Tagebuch


Beerdigung überstanden; und siehe da, mein Zahn pocht nicht mehr.

Gut, der hat sich schon vorher mit der Teatree-Manuka-Mischung beruhigt. Schmeckt scheußlich bitter, als würde man Weihrauch kauen, aber nach ein paar Mal ausspucken ist es dann erträglich, und nach drei Tagen war der Geschmack fast vertraut.

Alles Gewöhnungsache, nicht wahr? Dafür hab' ich mir den Zahnarzt gespart.

Bin sehr dankbar für das Wochenende - nichts anderes vor, als im Garten einwenig zu graben und zu pflanzen, Tee neben den Märzenbechern zu trinken und dem Ziehen der Wolken zuzuschauen.

Oh ja, das tut gut - will Mettes Wohnung, ihre Machenschaften und alles was mit ihr zu tun hat, einfach vergessen.

Dienstag, 23. März 2010

Agnes Feders Tagebuch


Mein 800 Euro - Zahn pocht. Das auch noch. Als wäre Mettes Beerdigung nicht genug. Oder pocht er gerade deswegen?

Ihr Tod hat viele alte Erinnerungen geweckt. Die Ferien in ihrer Obhut - diese bösartige alte Hexe. Meine Zeichnungen von dem Sommer am Berg habe ich gerahmt und an die Wände in meinem Schlafzimmer gehängt. Elfen, Nixen und Kobolde. Fast sehe ich sie wieder in den jungen Primeln.

Das war die andere Seite des Sommers gewesen, und vielleicht gehören diese beiden Seiten einfach immer zusammen.

Für meinen Zahn muss ich eine Medizin finden - nochmal 800 Euro habe ich nicht. Vielleicht helfen mir die 5 Teebaumöle - Manuka und Teatree, ja, das war die Mischung für Zähne. Einen Versuch ist es allemal wert.

Montag, 22. März 2010

Agnes Feders Tagebuch



MagistaAnna wird immer dicker. Finn wird immer blasser, - MagistaAnna eigentlich auch. Weil ich ja ein Greenhorn bin, was Fische angeht, bin ich erst beim Fischfutter-Einkaufen drauf gekommen, dass es Futter für Goldfische gibt, welches sie "goldig" macht, aber nicht für goldene Barsche. Die fressen laut Fischfutterindustrie was anderes. Alle Barsche.


Die Goldfische sind also gar nicht von Natur aus golden! Woher soll man denn so was wissen?

Und wie soll ich dem Barsch ein anderes Futter geben als dem Goldfisch? MagistaAnna frißt ihm einfach ALLES weg.

Finn ist heut grad wieder schrecklich grantig auf MagistaAnna und jagt sie durch den Pool. Dabei war es die letzte Zeit recht friedlich. Glaube nicht, dass mir die erste Barsch-Goldfischkreuzung gelingen wird.

Was gleich die nächste Frage aufwirft: Woran sieht man bloß, wer der Junge und wer das Mädchen ist?

Hier eine spannende Szene aus dem Aquarium -

http://www.facebook.com/group.php?gid=107390505954157&ref=nf&v=info#!/group.php?gid=204867082138&ref=mf

Sonntag, 21. März 2010

Meister Eckehart


"Es ist weder dies noch das; trotzdem ist es ein Etwas, das ist erhabender über dies und das als der Himmel über der Erde. ... Es ist von allen Namen frei und aller Formen bloß, ganz ledig und frei in sich selbst. ..."


Meister Eckhart, Deutsche Predigten und Traktate,hg. Quint, 1969, 159f

Samstag, 20. März 2010

Agnes Feders Tagebuch


Nächste Woche ist Beerdigung. Abschied von Tante Mette.

Mit ihrer Wohnung hatte ich ziemlich zu schaffen, bin aber heute endlich fertig geworden. Habe deshalb die Sonnenstrahlen versäumt, konnte aber in der milden Frühlingsluft einen Tee unter Wolken, Krokus&Primel genießen, wenngleich ich sehr nachdenklich war. Nein, es war höchstens etwas entspannend, aber der Genuss weilte nur solange, wie der Assam Typhoo auf meinem Gaumen wirkte.

Mette hatte nicht nur Sparbücher angesammelt, sondern auch Schmuck. Nicht nur für Frauen, nein, auch goldene Manschettenknöpfe, Krawattennadeln und dergleichen.

Ich frage mich, wer diese Frau war.

Von den Sachen behalte ich mir sicher nicht ein Stück. Bringe das alles ins Dorotheum und spende den Erlös dem SOS Kinderdorf.

Montag, 15. März 2010

Agnes Feders Tagebuch


Habe den Putzerfisch schon einige Tage nicht mehr gesehen. Entweder versteckt er sich, weil die zwei Großen so fetzen oder - sie haben ihn aufgefressen. Keine Ahnung. Ich kann ihn nicht mal hinter der Wasserpumpe ausmachen. Die letzte Hoffnung ist, dass er sich in der Höhle verkrochen hat. Doch dort ist er auch nicht sicher. MagistaAnna hat die Höhle letzte Nacht umgeworfen- Anscheinend beißt Finn sie auch Nachts in den Schwanz.

Die zwei sind echt verrückt!

Sonntag, 14. März 2010

Agnes Feders Tagebuch


Wie hatte ich am Freitag die Stadt satt! Der Lärm, der Beton, Mettes Wohnung - ausgehungert war ich nach dem Wald und seinem Frieden!

Heute war es zwar recht stürmisch, doch das hat mich nicht abgehalten zur alten Klosterruine zu gehen. Der Weg war tief, nass, morastig vom Schmelzwasser und die Bäume heulten das nicht endenwollende Lied des Sturms, der durch sie hindurchfegte. Ein Stöhnen ging durch den Wald, die alten Eichen wollten nicht nachgeben, die Fichten schwankten bedächtig. Hin und wieder war ein Knacken zu hören, als gäben die alten Knochen der Erde nach.

Dann der Moment, wenn man auf die Lichtung tritt: Die Sonne strahlt mir ins Gesicht, die verfallenen Mauern stehen vertraut neben dem alten Baum, wie zufällig in den Wald geworfen.

Ich bin wieder Kind, entdecke die verzauberte Welt.

Mittwoch, 10. März 2010

Agnes Feders Tagebuch


Da hab ich ja heftig zutun! Die Wohnung eines alten Menschen räumen, das ist eine Monsteraufgabe, überhaupt, wenn einem das schlechte Gewissen plagt. Was im Übrigen gar nicht mehr so angespannt ist.

Mette hatte einige Sparbücher - vielleicht war sie bei mehreren Leuten "pflegen". Ich fürchte mich fast vor jeder Lade, was da noch alles zu Tage tritt. Der Inhalt eines Kastens sagt tatsächlich eine Menge über seinen Besitzer aus, mehr als ich wissen will.

Meine Zeichnungen habe ich gefunden. Das ist lange her. Sehr lange. Ein Sommer mit Tante Mette, schauderhaft und zauberhaft zugleich. Elfen, Kobolde, Zaubersteine,...was für eine traumhafte Welt....unsichtbar, und doch gibt es rare Momente, in denen die Anderswelt Einblick gewährt...ich kann mich erinnern...

Dienstag, 9. März 2010

Agnes Feders Tagebuch


Wie es aussieht, muss ich mich um den Nachlass von Tante Mette kümmern, ihre Wohnung räumen, die Beerdigung organisieren. Na ja, die hat Paps de facto bezahlt - mit dem Sparbuch, das sie bei ihm geklaut hat. Mal sehen, ob ich das noch finde.

Aber ich beschwere mich gar nicht - mein schlechtes Gewissen treibt mich an, alles brav und ordentlich zu erledigen. Verrückt ist das. Wenn sie eine Giftmischerin gewesen ist, dann ist es nur gerecht, wenn sie an ihrer eigenen Bösartigkeit zugrunde geht. Blöd, dass ich da Anteil hatte...ich wünschte wirklich, nicht soooo sensibel zu sein - brauche ein Seminar zur Desensibilisierung von der Sensibilität...

Montag, 8. März 2010

Agnes Feders Tagebuch


MagistaAnna frisst und frisst. Sie ist immer hungrig und springt fast aus dem Wasser, wenn ich die Klappe zum Füttern öffne.

Finn scheint von seiner Dame nicht sehr angetan. Ärgerlich schnappt er bei jeder Gelegenheit nach ihrer Flosse. Immerhin reißt der Wüstling jetzt nicht mehr die Pflanzen aus dem Grund heraus. Gut, dafür geht er auf MagistaAnna los. Ihm ist einfach nicht beizukommen. Denke, ich muss die beiden wieder trennen.

MagistaAnna, die sonst mit Panik auf seine Attacken reagiert hat, lässt sich beim Futtern nicht verdrängen. In dem Maße, wie sie frisst, verdreckt auch das Aquarium.

Mir kommt vor, es hängt ständig ein "Würstchen" aus ihr heraus.

Freitag, 5. März 2010

Agnes Feders Tagebuch


Wenn ich traurig bin, dann lasse ich meinen Blick in die Ferne schweifen.

Zum unendlich weiten Himmel, der sich über mir wölbt, gleich, was unter ihm geschieht, er unterscheidet nicht, er urteilt nicht.

Wenn ich traurig bin, dann lasse ich meinen Blick in die Tiefe ziehen. Zur schwarzen Erde, die alles geborgen hält, was ihr anvertraut ist.

Manchmal fühle ich dann, es ist alles gut.

Mittwoch, 3. März 2010

Agnes Feders Tagebuch


Unfassbar...ich kann mir einfach keinen Reim darauf machen...Mette ist tot. Paps hat angerufen und es mir gesagt. Er klang nicht sehr bestürzt. Seine Stimme, vielmehr der Ausdruck seiner Stimme hat sich seit dem Schlaganfall verändert und ich kann sie nicht wie früher deuten.

Mette ist tot. Ich habe sie gezwungen, die von ihr zubereitete Speise zu essen. Am nächsten Morgen ist sie von der Nachbarin gefunden worden. Offiziell war es Herzstillstand, so sterben alte Menschen. Aber, ist das die Wahrheit?

Wie sie mich angesehen hat, während sie die Gabel mit Spinat und Röstkartoffeln in den Mund geschoben hat...ich werde das nie vergessen. Vielleicht...und dann war es meine...

Halt! Wenn sie hätte Paps vergiften wollen, dann wäre es ihr nur recht geschehen!

So kann ich aber nicht fühlen. Das geht nicht.

Es tut mir leid.

Wie läppisch diese Worte sind.