Montag, 31. Mai 2010

Agnes Feders Tagebuch


Obwohl ich schon so lange "den Kranich" übe, erst jetzt entdecke ich seine Tiefen. Bislang schätzte ich die Harmonie der Übung, doch da ist viel mehr.
Denn der Kranich ist nicht nur Tänzer, anmutig und ruhig, er ist auch ein Kämpfer, ein Jäger, der ganz im Augenblick sein muss, andernfalls er keine Beute machen kann oder selbst zur Beute wird.
Man kann es nicht erklären, und man kann es schon gar nicht MACHEN! Da ist nichts zu tun - plötzlich ist ES da und man ist Kranich. Zu sagen: Ich war der Kranich. - das wäre falsch, denn ICH war nicht da, zumindest nicht als Regent der Übung.
Was für ein Erlebnis...ich bin ein anderer Mensch, ich übe anders, ich lebe anders, es ist fantastisch...alles ist gleich geblieben, nur die Mauern in meinem Kopf sind gesprengt.

Donnerstag, 27. Mai 2010


Heinrich lässt nicht locker. Wieder eine Einladung - diesmal Abendessen. Eigentlich wollte ich nicht, sein Gequassel nervt.

Andererseits, die Abende sind sehr lange, alleine zu Hause....jedenfalls habe ich zugesagt und jetzt denke ich an Siebert, an unsere Abende, Nächte....
Seufz.
Habe diese Musik gefunden, von einem anderen Siebert - sie ist wie mein Siebert. Worte können es nicht ausdrücken, nein, das können sie nicht. Wieder ein Frühling, wieder ohne ihn. Wie sehr er mir fehlt.

Mittwoch, 19. Mai 2010

Agnes Feders Tagebuch


Der Kaffee war bitter. Der Arzt - Heinrich - was denken sich Eltern eigentlich, wenn sie ihre Kinder taufen? - zwar nicht verheiratet, aber schwer mit seinem Job liiert. Ich habe eine Stunde lang die Krankengeschichten unzähliger Patienten gehört und durfte mich mal kurz bezüglich Aufklärungspflicht des Arztes einbringen. Kurz. Das Thema interessiert Heinrich nicht besonders.

Er würde mir im Bett noch von einer grauslichen Sepsis erzählen. Das geht nicht. Erotik muss warten.

Kater Ashley hat's gut. Kein Gequatsche, das abtörnt. Ein bisschen Katzenmusik und holodrio...

Im nächsten Leben werde ich 'ne Katze.

Montag, 17. Mai 2010

Agnes Feders Tagebuch


Die Eisheiligen hatten es in sich - und es will gar nicht aufhören mit dem Stürmen und Regnen. Eiskalt peitscht der Wind die Bäume vor meinem Bürofenster. Man wünscht sich ein wärmendes Kaminfeuer, mitten im Mai...

Habe vielleicht deswegen die Einladung zum Kaffee angenommen. Von wem? Na, von diesem Arzt, ähm, Oberarzt. Nicht verheiratet (die Verheirateten fragen ja auch an, aber die können mich mal.....), freundliches Auftreten und er sieht ganz gut aus. Also, warum nicht, hab' ich mir gedacht, lebst wie eine Nonne, wozu? Ich habe kein Gelübte abgelegt, bin niemandem zur Treue verpflichtet - warum einsam sein?

Kater Ashley hat auch Frühlingsgefühle und hat mich überzeugt, wir müssen unser Leben etwas erotisieren.

Dienstag, 11. Mai 2010

Agnes Feders Tagebuch


Die Gundelrebe blüht wieder zartlila auf der Wiese - ihr Duft ist fein-aromatisch und bringt dem Kopf Erleichterung. Ja, die Engländer machten einst Schnupftabak aus dem Kraut um Kopfschmerzen zu heilen!

Ich lege mir lieber die Pflanze frisch auf die Stirn, wenn der Fönwind Probleme macht. Auch Hildegard von Bingen hielt große Stücke auf dieses Kraut.

Getrocknet und fein gestoßen gebe ich die Gundelrebe ins Kräutersalz - da macht sie sich sehr gut.

Sonntag, 9. Mai 2010

Agnes Feders Tagebuch


Ich habe spät in der Nacht auf der Wiese Qigong geübt - "Den Mond zeigen" - sich der Schwerkraft hingeben, den Mond aus dem See heben und an den Himmel heften. Eine Stimme, ein melodischer Gesang setzte ein. Welch eine Überraschung in der Stille der Nacht, noch nie habe ich Vogelgesang in der Dunkelheit vernommen.

War das eine Nachtigall? Gibt es die denn noch in unseren Breiten?

Auf Wikipedia wurde ich fündig; http://http//de.wikipedia.org/wiki/Nachtigall konnte mir dort auch den Gesang anhören und bin mir nun sicher, dass ein Nachtigallmännchen in der Hecke oder vielleicht im Nussbaum nisten möchte.

Er sang auch diese Nacht. Was für eine Ehre, ich freue mich so sehr über diesen Gast!

Donnerstag, 6. Mai 2010

Agnes Feders Tagebuch


Eine entspannte Zeit hat begonnen. Mit Mettes Tod ist Ruhe in unser Leben eingekehrt - Paps geht es gut, ich mache mir keine Sorgen mehr um ihn.

Ich kann mich auch wieder besser auf meine Ausbildung bei Carla konzentrieren, mich regelmäßig in Qigong und Meditation üben. Wie gut mir das tut! Besonders jetzt, wo ich wieder im Freien üben kann, erwacht endlich wieder meine alte Lebensfreude. Vielleicht gehe ich auch wieder mal aus - ein Arzt aus der Klinik möchte mit mir auf "einen Kaffee" gehen. Wieso nicht? Kann nicht schaden, ein bisschen zu flirten.

Kater Ashley und ich haben eigentlich ein fast perfektes Leben. Fast.

Montag, 3. Mai 2010

Agnes Feders Tagebuch


MagistaAnna wirkt deprimiert. Sie steckt die meiste Zeit den Kopf in die einen Ecke des Aquariums und verweilt regungslos, bis es Futter gibt.

Es wird wirklich Zeit, sie in einem Teich auszusetzten. Aus einem Teich kommt sie, dort wird sie sich am wohlsten fühlen.

Aber Finn? Der hat immer nur im Aquarium gelebt, wird er sich in einem Teich Futter finden? Außerdem gehört er mir nicht, ich brauche die Zustimmung seiner Besitzerin. Muss mich darum kümmern...

Sonntag, 2. Mai 2010

Kraft


In Ruhe sei wie die Kiefer.

In Bewegung sei wie die Wolken

und das Wasser.


Qigong-Sprichwort

aus:Kenneth Cohen, Qigong, Wolfgang Krüger Verlag