Montag, 30. August 2010

Agnes Feders Tagebuch


Muss mir endlich mal Gummistiefel kaufen - für den Garten sowieso und mittlerweile auch für die Stadt. Oder Galoschen? Sowas gibt's noch, oder wieder. Vom Aussehen so fesch wie Moonboots, aber die Schuhe werden nicht ruiniert. Wobei, es gibt auch ganz ordentliche Exemplare - sollen in Nordamerika gerne verwendet werden.


Was ich dem Regen zugutehalte, nebstbei er für die Natur sehr notwendig ist, versteht sich, - ohne Regen kein Regenbogen! Habe am Wochenende ganz unglaublich schöne gesichtet. Sie sind jedes Mal ein Wunder...

Mittwoch, 25. August 2010

Agnes Feders Tagebuch


Ist es möglich, dass ein Baum Augen hat? Hatte? Sind sie möglicherweise verloren gegangen, weil sie nicht mehr gebraucht wurden? Ließ die Evolution sie einfach zuwachsen?


Wenn ich an "meiner" Birke lehne, fühle ich ihre Lebenskraft pulsieren, aufstrebend, dem Himmel zu und doch tief in Mutter Erde verwurzelt. Meine Gedanken verändern sich, passen sich ihr an. Dabei kam es mir schon vor, als dächte ich ihre Gedanken. Verrückt - oder? Nicht? Sie sieht so weit und so tief, dafür braucht sie keine Augen.


Ich hörte auf der Party letzthin zwei Frauen über eine gemeinsame Bekannte reden. "Ach, ich mag sie ja total gerne, aber, verstehst du, ich kann sie nicht mit meinen anderen Freunden gemeinsam einladen. Was glaubst du, wenn sie auf einmal anfängt Bäume zu umarmen und so...."

Also ICH war nicht gemeint, weil ich die Frau nicht kannte, aber ich hätte es leicht sein können. Werde ich allmählich "nicht gesellschaftsfähig"? Eine "Baumumarmerin"?

Sonntag, 22. August 2010

Agnes Feders Tagebuch


Der Mond schrumpft. Auch das noch.

Als gäb's auf der Welt nicht genug unheil.

Wobei, ich hab's mir ja schon länger gedacht, bei Vollmond nämlich: "Mann, ist der klein geworden." Dachte, es liegt an meiner Kurzsichtigkeit - aber 3/4 Dioptrien ist doch nix. Genau.

Jetzt ist es raus, wissenschaftlich belegt - nie mehr wird der Mond die Liebenden im gleichen Ausmaß bezaubern wie in der guten alten Zeit, alle Gedichte auf ihn...eine blasse Erinnerung; wir wissen nun, er kühlt innerlich ab. Das kann nicht ohne Folgen bleiben, sicher nicht. Vielleicht sind ja gar nicht wir Menschen an der Klimaerwärmung schuld, sondern er. Wäre das nicht praktisch?

Laotse


"Des Himmels SINN streitet nicht

und ist doch gut im Siegen.

Er redet nicht

und findet doch gute Antworten.

Er winkt nicht,

und es kommt doch alles von selbst.

Er ist gelassen

und ist doch gut im Planen.

Des Himmels Netz ist ganz weitmaschig,

aber es verliert nichts."


aus: Tao Te King, Laotse, Diederichs, 73

Montag, 16. August 2010

Agnes Feders Tagebuch


Wege, die ich liebe - gestern war endlich wieder die Zeit, auf meinem Hügel zu spazieren. Dort ist der Himmel so nahe - am Himalaja kann es unmöglich besser sein (zu kalt, zu viel Schnee, zu viel Wind, womöglich stirbt man schon vorher...).

Ich würde dort oben am liebsten wohnen, jedoch ein Haus zerstört den Gesamteindruck. Es bleibt nur zu hoffen, dass sich die Gemeinden nicht weiter ausbreiten und schließlich noch diesen Hügel fressen. Die Menschen flüchten die Stadt, suchen die Natur um sie dann wieder zuzubetonieren (z.B. mein Nachbar!) - warum gestaltet man die Stadt nicht so, dass sich die Menschen wohl fühlen?
Aber das ist wohl eine richtig blöde Frage, eine "20 € Frage" (der Frager zahlt!).

Sonntag, 15. August 2010

Genro Laoshi



"Wenn der Zen-Garten von den Händen fleißiger Mönche gepflegt wird und sie alle Herbstblätter entfernt haben, geht der Meister in seinen Garten. Er lobt die Schüler nicht. Er streut einige verwelkte Blätter wieder zurück auf den Weg. Weil es sonst unnatürlich ist. Weil die Vollkommenheit unnatürlich ist."

aus: Der pfadlose Weg, der weglose Pfad, Genro Laoshi, http://www.top-team-trainings.com/medien/index.php



Agnes Feders Tagebuch


Die Party - tja, die war sehr interessant, bloß hat mich nachher der Brechvirus geschüttelt. Nein, nicht der Alkohol-Virus, wirklich nicht! Einen Aparol, mehr war es nicht.

Heinrich hingegen hat sich abgefüllt wie ein Maturant auf der Partyinsel. Glücklicherweise war er nicht mehr in der Lage zudringlich zu werden. Vorher hat er noch einige seltsame Meldungen über die Klinik vom Stapel gelassen. Dass er manchmal ein schlechtes Gewissen hat und den Patientinnen nicht in die Augen schauen könne. Aber er braucht das Geld für seine geschiedene Frau (von seinem Porsche, seinen Hilfingerklamotten und der teuren Wohnung hat er nichts gesagt). Davon kriege er Magenschmerzen, da hilft nur Whiskey.

Seltsam, finde ich doch. Wofür kriegt er Geld? Von wem?

Aus dem nüchternen Heinrich werde ich solche Infos jedenfalls nicht heraus kriegen, da ist er der taffe Arzt, erhaben über alle Stände. Was sehen wir denn eigentlich, den Menschen oder seinen Schatten?

Mittwoch, 11. August 2010

Agnes Feders Tagebuch


Schöne Steiermark! Vermisse dich! Dein sattes Grün, dein gutes Essen (Kernöl, Styriabeef, Zuckermelonen!, Grazer Häuplsalat, Zotterschokolade, ...), die Leut' so herzlich - da fühlt man sich gleich zu Hause. Könnte mir sogar vorstellen, dorthin zu ziehen.

Doch vorerst heißt es arbeiten und zwar in Wien. Der Job in der Klinik ist eintönig und wird nur von Heinrichs fallweiser Verehrung (Fußball-WM ist jedenfalls verehrungsfreie Zeit, so gut kenne ich ihn schon) durchbrochen. Heute will er mit mir zu einer Party gehen und ich habe aus unerfindlichen Gründen zugesagt. Na ja, kann mich nicht immer auf meinem Berg verziehen, muss mal unter Menschen - sagt Paps jedenfalls und vielleicht hat er recht.

Sonntag, 1. August 2010

Agnes Feders Tagebuch


Das mittelalterliche Japan zieht sich durch meine Lektüre wie ein roter Faden. Zuerst die Gedichte, dann der Fünfteiler "Das Schwert der Otori" von Lian Hearn und nun "Der Tod des Teemeisters" von Yasushi Inoue. Gut, dass ich schon in diese strenge, minimalistische Welt eingelesen war, so konnte mir die Geschichte imponieren.

Mit wenigen Begebenheiten, zumeist Teezeremonien, wird der Teemeister durch seinen Tod beschrieben. Faszinierend, - und auch morbid. Ich meinte eine Todesverliebtheit herauszulesen, die ich nicht nachvollziehen kann. Der Teemeister scheint dem Zen verschrieben zu sein, und doch, etwas lässt mich an seiner Meisterschaft zweifeln.

"Das Nichts vernichtet nichts, der Tod alles." - ließ mich ausrufen: "Ja, und was ist dann? NICHTS. Der Tod vernichtet das Leben - ist das denn alles? Es bleibt das, was ungeboren ist; es ist durch nichts zu vernichten.