Dienstag, 28. September 2010

Agnes Feders Tagebuch


In der Klinik bieten sie den Mitarbeitern eine Gesundenuntersuchung an. Heinrich hat mir Blut abgenommen - das hat er mit viel Gefühl gemacht, ich war ganz überrascht. Ich habe ihn ja mehr als Totschläger von Finn in Erinnerung. Überhaupt ist er ein gar kalter Fisch. Kommt immer zu mir, um seine Seele zu wärmen...

Ich machte eine Bemerkung wie: Na hoffentlich macht's keine Therapie mit mir, obwohl ich gesund bin. Heinrich hat gelacht und gemeint, das machen sie nur bei Privatpatienten.

Ist doch irgendwie tröstlich, dass es auch Vorteile hat, wenig Kohle zu haben.

Freitag, 24. September 2010

Agnes Feders Tagebuch


Der Fönwind braust wiedermal durch meinen Kopf und alles spannt sich an. Die Buchstaben am PC verschwimmen, das Denken wird schwer. Werde mir ein ruhiges Plätzchen in der Mittagspause suchen und dem Schmerz nachspüren, dort loslassen, wo er herkommt. Und Pfefferminzöl, das hilft auch immer sehr.
Bald wird's regnen, dann ist es wieder gut - zumindest in meinem Kopf.

Mittwoch, 22. September 2010

Agnes Feders Tagebuch


Surya Namaskar, die Begrüßung der Sonne.
Eine Übung, die alle inneren Organe kräftigt und belebt, dem Körper Geschmeidigkeit und Kraft schenkt. Auf der geistig-seelischen Ebene vermag diese Übung gleichfalls sehr viel. Die Vorstellung, zwischen Himmel und Erde das Verbindungsstück zu sein, der Sonne zu huldigen und sich vor der Erde, die uns ernährt, zu verneigen, schafft Dankbarkeit und Demut, - und so manche andere Einsicht.

Sonntag, 19. September 2010

Agnes Feders Tagebuch


Der Salbei ist heuer gut angewachsen!

Hoffentlich bedeutet das nicht, dass ich diesen Winter viel Husten muss. Vielleicht braucht ja noch jemand Salbei - die Kinder von Irene, Paps, Theres, Peters Familie...für die Kinder mache ich ihn als Sirup, für die Großen als Tee oder als Wein.

Die alten Römer haben sich ihren Salbei in unsere Breiten mitgenommen, so eine wertvolle Heilpflanze war er ihnen! Später wurde er vor allem in Klostergärten kultiviert. Ein Allheilmittel, weil er entzündungshemmend wirkt, den Magen stärkt und Krämpfe löst. Beim Lammbraten ist er unverzichtbar. Weil der Salbei antibakteriell ist, hält auch ein Aufstrich mit ihm eingearbeitet länger, genauso wie Brot.

Ich denke, unter diesen Umständen finde ich genug Abnehmer für meine Ernte.

Lebenskunst


Heute ist der erste und letzte Tag.

Heute umarme ich dich, als gäbe es kein Morgen.

Montag, 13. September 2010

Agnes Feders Tagebuch


Die Peitsche - eine Übung, die mich gerade jetzt beschäftigt. War auf einmal da und wollte geübt werden. Ich habe sie auch Paps gezeigt, der allerdings meine Begeisterung nicht teilen wollte. "Zu anstrengend." meinte er. Dabei muss er ja am Anfang nicht so tief stehen, jeder macht eine Qigong-Übung so, dass er keine Schmerzen hat.
Gerade bei dieser Form sind Anspannung und Entspannung stark im Vordergrund, Kraft und Beweglichkeit, Wissen wo man steht, wie man sich bewegt, wo die Arme, Beine, der Kopf sind, - sie fordert totale Achtsamkeit, sie fordert mein Wesen heraus, drängt die Gedanken zurück.

Diese Übung zu durchdringen hat sich dieses Wochenende aufgedrängt und das dauert vielleicht Jahre. Dennoch, ich kann wieder Arbeiten, kann bei mir sein und mir die Machenschaften der anderen vom Leib halten.

Sonntag, 12. September 2010

Agnes Feders Tagebuch


Schneiden, Schneiden, Schneiden.

Es ist Herbst, alles Gesträuch wuchert wie verrückt, die Wege im Garten sind zugewachsen. Also nichts wie ran an die Heckenschere und etwas Leere in die Fülle bringen. Zumindest soviel, dass ich wieder durchgehen kann.

Die Nacktschnecken hatten heuer Hochsaison - die haben meinen Rucula-Salat verputzt, kaum dass sich ein Trieb aus der Erde wagte. Immerhin, heuer trägt das Apfelbäumchen - ich kann die Apfelernte kaum erwarten!

Herrlich dieses Gartenleben, nach der Arbeit oder zwischendurch eine Tasse Tee genießen, die Vögel, Eichhörnchen, Bienen und Hummeln beobachten...nie mehr will ich in der Stadt wohnen.

Lebenskunst


Lebenskunst...

...die Talente schätzen und nutzen, die einem gegeben sind - alles andere schafft Verwirrung.

Donnerstag, 9. September 2010

Agnes Feders Tagebuch


Heute konnte ich nicht ins Büro. Konnte einfach nicht. Mir ist heute nach Urlaub am Meer, weit weg sein, von niemanden etwas hören oder sehen. Da das Meer außer Reichweite ist, werde ich mich mit dem Rauschen des Waldes begnügen.

Mir hat diese "Mailand-Sache" keine Ruhe gelassen also habe ich im Zeitungsarchiv gestöbert. Hätte ich es nur gelassen! Der Standard brachte am 12.6.2008 einen Artikel über eine Mailänder Horrorklinik, einem Privatspital. Durch Fälschung der Patientenakte hatte es sich bei der Abrechnung mit der Krankenkasse um 2,5 Mio Euro bereichert. Aber das ist nicht das Schlimmste. Menschen wurden ohne triftigen Grund operiert, einige sind gestorben.

"Eine Brust ist ist eigentlich nicht viel wert, aber wenn sie Krebs hat, dann bringt sie € 5.000,-." -das hat ein dortiger Arzt tatsächlich gesagt. So hat man unter anderen einer 18-jährigen die Brust entfernt, obwohl eine Gewebeuntersuchung ausgereicht hätte.

Hat unser Oberarzt das gemeint, als er sagte, glücklicherweise haben wir einen so guten Ruf, sonst ginge es uns wie den Mailändern? Oder doch ganz was anderes? Ich bin schon so misstrauisch geworden, dabei wollte ich einfach nur einen ruhigen Job. Wenn ich es gerne aufregend gehabt hätte, wäre ich zur Polizei gegangen - ich brauche das wirklich nicht!

Dienstag, 7. September 2010

Agnes Feders Tagebuch


Die Dinnerparty war eine betriebsinterne Besprechung - mit Essen und Weinbegleitung. Hat Heinrich außerhalb der Klinik keine Freunde? Und ich die einzige Nicht-Medizinerin, Nicht-Krankenschwester. Dementsprechend amüsant gestaltete sich der Abend. Eigentlich ein Streichergebnis, bis auf den einen Kollegen, der meinte: "Gut, dass wir so einen hervorragenden Ruf haben, sonst ginge es uns wie den Mailändern."

Den Sager fand ich doch seltsam - und überraschend. Das stach aus all den anderen Wortmeldungen heraus wie neonfarbener Lippenstift im Kloster. Ich muss den Typen - Entschuldigung, den Herrn Oberarzt Langa - angestarrt haben, weil er mich dann ebenfalls misstrauisch gemustert hat. Beim Augenkontakt bekam ich Impressionen seiner Gefühle, es war fast wie damals mit Michelle, gespenstisch. Die ganze alte Geschichte stand mir wieder gegenüber.

Sonntag, 5. September 2010

Rilke


"...Hiersein ist herrlich. Ihr wusstest es, Mädchen, ihr auch, die ihr scheinbar entbehrtet, versankt-, in den ärgsten Gassen der Städte, Schwärmende, oder dem Abfall Offene. Denn eine Stunde war jeder, vielleicht nicht ganz eine Stunde, ein mit den Maßen der Zeit kaum Meßliches zwischen zwei Weilen-, da sie ein Dasein hatte. Alles. Die Adern voll Dasein.

Nur wir vergessen so leicht, was der lachende Nachbar uns nicht bestätigt oder beneidet. Sichtbar wollen wirs heben, wo doch das sichtbarste Gück uns erst zu erkennen sich giebt, wenn wir es innen verwandeln. ..."


aus: Duineser Elegien, Reainer Maria Rilke, Surkamp, 45

Samstag, 4. September 2010

Agnes Feders Tagebuch


Paps hat sich die andere Schulter auch verletzt, kaum dass die alte Verletzung geheilt ist. Nach den Untersuchungen ist laut Arzt nichts weiter zu machen, als die Muskulatur zu schonen und zuzuwarten, das kann Monate dauern. Paps war ganz verzagt, bei jeder Bewegung, und sei es Klogehen, hatte er Schmerzen.

Ich habe ihm Reiki angeboten, das hat sich ja schon mal bewährt, und - als hätte er nur darauf gewartet - hat Paps sofort angenommen. Ich freue mich, wenn ich was für ihn tun kann und mir kommt vor, er genießt unsere gemeinsame Zeit sehr. Die Schmerzen sind schon viel weniger geworden, auch die Beinwellcreme wirkt recht gut. Werde ihm auch Beinwellwurzel-Umschläge machen, die helfen oft ganz großartig.
Abends gehe ich zur Dinnerparty von Heinrich. Irgendwie nett, dass er mich einlädt, obwohl er längst gemerkt hat, dass bei mir nichts geht. Es kommen einige Leute aus der Klinik, also ist zu befürchten, dass überwiegend vom Job geredet wird. Und, dass alle glauben, ich hätte doch was mit Heinrich.
Warum gehe ich eigentlich hin?