Samstag, 30. Oktober 2010

Oscar Wilde


"Ob Glaube oder Unglaube, nichts darf mir von außen zukommen.

Alle Symbole müssen meine eigenen Schöpfungen sein.

Das Spirituelle muss seine eigene Form erschaffen können.

Wenn ich sein Geheimnis nicht in mir selbst finde, so finde ich es nie.

Wenn es nicht bereits in mir ist, so wird es mir nie zuteil werden."


aus: Oscar Wilde, Aphorismen, insel taschenbuch

Freitag, 29. Oktober 2010

Agnes Feders Tagebuch


Friedhofsbaum Eibe - von alters her wird die Eibe mit Tod in Verbindung gebracht. Zurecht - sind ihre verlockend roten Früchte, vielmehr die Samen darin, wie auch das Blattwerk, giftig. Die Kelten vergifteten mit Eibenabsud ihre Pfeile und weihten den Baum der Totengöttin Morrigan. Kein Zauber kann vor der Eibe bestehen, denn sie lebt fast ewig, länger als Eichen.


Man muss das alles nicht wissen, außer dass die Früchte höchst giftig sind, um sich zu wundern, dass ein Kinderspielplatz mit Eibenbüschen bepflanzt wird. So in dem Park nächst meiner Arbeitstätte geschehen. Ich konnte es nicht glauben und doch, eindeutig eine Eibenart.


Nachdem die Regierung das neue Sparpaket bekannt gegeben hat, das deutliche Einschnitte für Familien bringt, wundere ich mich allerdings nicht mehr. Das passt schon alles zusammen.

Dienstag, 26. Oktober 2010


Gallus Gallus Domesticus - das Haushuhn lebt mit den Menschen schon lange Zeit, erste Nachweise der Domestizierung sind mit 6000 v.Chr. datiert! In der Hallstätter Kultur, frühe Eisenzeit, wurde Hühner im Stall gehalten, denn diese waren noch gut flugfähig. Vermutlich war diese Stallhaltung anders geartet als das heute praktiziert wird.

Der Hahn ist ein beliebtes Wappentier gewesen, Adelsgeschlechter berufen sich auf ihn und in den Naturreligionen war ein Hahn ein erfolgversprechendes Opfertier. Die Hahnenkämpfe sind mancherorts immer noch sehr beliebt. Kraft, Ausdauer, Zähigkeit, Potenz und Stolz verbindet man bis heute mit ihm.

Sprichwörter wie: Dummes Huhn! Blöder Gockl! zeigen, dass wir einander früher wohl gut gekannt haben müssen. Die Zeiten ändern sich. Der Städter nimmt Hühner lediglich in Form von Freilandeier- oder Bodenhaltungseierkartons wahr. Am Land wird gegen Hahn+Hühnerbesitzer prozessiert, weil das Krähen des Morgens den erholungsbedürftigen Städter stört - nein - wahnsinnig macht.
Macht das der Hahn oder zeigt er nur auf, was schon längst passiert ist, frage ich mich.

Samstag, 23. Oktober 2010

Agnes Feders Tagebuch


Sie leben in der Natur, suchen sie aus einer Sehnsucht, die sie nicht benennen können, aber sie spüren sie nicht, treten nicht in Verbindung, sondern bekämpfen sie. Wie kann es sonst erklärt werden, dass die Nachbarin ihren prächtigen Holunder umschneidet?
Den Baum der schwarzen Morrigan, der Frau Holle, der Hüterin der Seelen!
Er ist giftig und heilsam zugleich, trägt weiße Blüten und schwarze Beeren, ist Mittler zwischen Leben und Tod. Einst zog man den Hut vor dem blühenden Holunder und niemand wagte, einen Holunderbaum umzuschlagen. Er zieht Krankheit und Unglück ab, bindet sie und beschützt so das Haus. Wird er umgeschlagen, werden diese Energien freigesetzt und gehen auf die Hausgemeinschaft über.
Nun, die traurigen Überreste stehen weitab von meinem Haus, die Frau Nachbarin wird sehen, was geschieht. Ich wünsche ihr sehr, dass das alles nur Aberglaube ist, dumme Fantasien rückständiger Heiden...dass ich mir das Wehklagen der Pflanze und Elementswesen nur eingebildet habe. Die Beklemmung kann ich dort noch immer spüren, sie macht das Herz schwer und traurig. Es müsste ein Ausgleich geschaffen werden, doch der Zaun hält mich davon ab.

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Agnes Feders Tagebuch


Dieser Riese muss hunderte Jahre alt sein! Wenn ich auf ihn zugehen, nimmt es mir den Atem - wie tief die Wurzeln reichen, unvorstellbar...jeder seiner Äste ist so dick wie ein ausgewachsener Baum. Sein Stamm von mehr als 2 Meter Durchmesser, weist eine lebhafte Struktur auf, dass man meinen möchte, im nächsten Augenblick öffnen sich zwei Astnarben und seine Augen blicken verschlafen auf den Störefried.
Ein Gigant. Mächtig.

Unweigerlich fallen mir Tolkiens Worte ein, oder vielmehr die von Baumbart: "...I'm not going to tell you my name, not yet at any rate. (...) For one thing, it would take a long while: my name ist growing all the time, and I've lived a long, long time; so my name is like a story. ..."

Dienstag, 19. Oktober 2010

Agnes Feders Tagebuch


Ich bin so unbeschreiblich stolz auf Paps!

Seine Blutwerte sind fantastisch - der Langzeitzucker ist fast wieder normal - und das hat er nur mit der Ernährung geschafft. Der praktische Arzt, der Internist, die Diätberaterin, Krankenschwester und Turnusarzt - sie alle können nicht glauben, dass dies ganz ohne Medikament gegangen ist. Jedesmal fragen sie nach, welche Medikamente Paps für den Zucker nimmt und sind fassungslos, wenn er sagt, keine.

Ist denn das die Möglichkeit, dass es nicht einmal mehr probiert wird, OHNE einem Medikament eine Verbesserung herbeizuführen? Trauen wir unserem Körper, uns selbst, denn gar nichts mehr zu?

Medikamente sind gut, wenn nichts anderes mehr geht. Aber um Himmels willen, haben wir den Glauben an uns selbst schon soweit verloren, dass wir uns nicht vorstellen können, dass Heilung aus uns heraus geschehen kann?

Paps ist mein Held!

Sonntag, 17. Oktober 2010

Ingeborg Bachmann


"Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.

Wer, wenn nicht diejenigen, die ein schweres Los getroffen hat, könnten besser bezeugen, dass unsere Kraft weiter reicht als unser Unglück,

dass man, um vieles beraubt, sich zu erheben weiß,

dass man enttäuscht, und das heißt, ohne Täuschung zu leben vermag."


aus: Ingeborg Bachmann: Gedichte, Erzählungen, Hörspiele, Essays. München 1964

Dienstag, 12. Oktober 2010

Agnes Feders Tagebuch


Wo Elfen und Kobolde leben könnten, fragte mich die Tochter von Irene. Das wissen nur Kinder, musste ich gestehen. Erwachsenen fehlt der tiefe Blick, jedenfalls den Meisten.


Denn man muss schon sehr tief sehen können, und damit meine ich nicht genaue Details sehen sondern alles, selbst die Luft, das Sichtbare und das Unsichtbare gemeinsam, mehr als die fünf Sinne hergeben, muss man wahrnehmen können. Der Verstand steht diesem Vorgang derart im Weg, dass man gar nicht bemerkt, dass das so ist.


Wir waren gemeinsam am Teich, ganz still, ganz ohne zu sprechen. Da war ein Surren in der Luft, ein moosiger Duft, ein Sonnenstrahl brach sich auf einem Tautropfen und das Herz war ganz leicht. Die Kleine lächelte und ich war mir sicher, hier sind wir richtig...

Montag, 11. Oktober 2010

Agnes Feders Tagebuch


Herbstspaziergang
Was für strahlende Tage...wie gut es tut, durch den Wald zu gehen, über Wiesen zu blicken, in die Ferne zu schweifen und doch die weiche Erde unter den Füßen zu spüren. Die Farben übertreffen einander an Leuchtkraft und Intensität so sehr, dass man diese Schönheit nicht für Real halten möchte. Ein Maler würde verlacht werden, griffe er derart froh in den Farbentopf!

Und doch ist das ein Tatsache, - genauso wie Giftschlamm in Ungarn, und wo überall noch die Erde für ewige Zeiten verseucht ist. Machtlos fühlt man sich und beschämt, weil man Teihabe hat am Alu/Plastik/Erdöl undwasnochalles -Konsum. Austiegsszenario: Ich werde Wanderschäferin...aber das überlege ich mir lieber noch mal gründlich.

SUKKHA


"Mein wertvollstes Tun ist mein Nicht-Tun: Wenn ich mit der Geburtshilfe warte und das Mutterschaf es alleine schafft; wenn ich meinen Schrei nach der Hündin unterdrücke und sie von selbst dem Auto ausweicht; ..."

Hans Breuer, Wanderschäfer


aus: SUKKHA oder des Wachträumers Fidelisa, Helmut Hüller& Genro Laoshi, 147; ISBN 978-3-200-01769-6

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Agnes Feders Tagebuch


VERBUNDENHEIT

Nieselregen & Halskratzen, das scheint zusammen zu gehören. Also was für ein Glück, dass büschelweise die Salbeizweige in der Küche hängen - trinke morgens und abends eine große Tasse - dabei genügen zwei bis drei Blätter - und das Halskratzen hat ein Ende.

Das kann man sich nicht in der Apotheke kaufen, dieses Gefühl, direkt von Mutter Erde beschenkt zu sein, dass sie dafür sorgt, dass es mir gut geht. Ich habe diesen Salbei gepflanzt, gepflegt, sie hat ihn wachsen lassen, ich habe ihn dankbar geerntet, zubereitet, getrunken.
Vielleicht kann ich irgendwann Mal ganz hier draußen am Berg leben, ohne Juristerei.
Träum' ich, und hole den nächsten Akt hervor...

Montag, 4. Oktober 2010

Agnes Feders Tagebuch


Ich muss eine Lanze für alle Lehrerinnen brechen: Nach einer fantastischen Kindergeburtstagsparty, für die ich als Spieleleiterin eingesprungen bin, weiß ich, warum ich NICHT Lehrerin geworden bin - ein Haufen braver, gutgelaunter Kinder überreizt die Nerven nach drei Stunden, dass man mit einer heißen Milch ins Bett will, abgedunkelt, schalldicht.

Hut ab, liebe LehrerInnen, Hut ab! Ihr seid großartig. Und ich bin heute wieder unter stillen, emotionsverhaltenen Erwachsenen, - eigentlich langweilig.

Sonntag, 3. Oktober 2010

Rumi


"Du bist der ungezähmte Geist, der in seiner Daseinsform gefangen ist wie die Sonne in ihrer Umlaufbahn."

Rumi