Sonntag, 28. November 2010

Oscar Wilde


"...

Und jeder mordet, was er liebt,

Sei jeder des belehrt,

Mit schmeichelndem Wort, mit bittrem Blick,

Nach jedes Art und Wert;

Der Feige mordet mit einem Kuß,

Der Tapfre mit einem Schwert."


aus: Die Ballade vom Zuchthaus zu Reading, Oscar Wilde, De profundis, Diogenes Verlag

Mittwoch, 24. November 2010

Agnes Feders Tagebuch


Wenn Oscar Wilde meinte, kein Mensch sieht so aus, wie er wirklich ist - und er hat ja mit dem "Bildnis des Dorian Gray" diese Überzeugung wahrlich unterstrichen, meinte er da nur die Oberfläche? Die Maske, die wir so gekonnt vor unser Herz, vor unseren wahren Emotionen halten?

Sehe ich die extrem gelifteten Gesichter der gealterten Hollywoodstarletts, bekomme ich zuerst mal einen Schreck. Hilfe, ein Gespenst! will man rufen. Dann sehe ich die Augen dieser Frauen und fühle....Mitleid. Verloren im Außen, verstümmelt, heimatlos. Das geht auch mich an, uns alle.

Wie bin ich wirklich? Wie ist der Mensch wirklich?

Göttliches Ebenbild zu sein kann unmöglich den Körper betreffen. Mal ehrlich - ein Gott wird sich doch nicht mit so einem reparaturanfälligen Vehikel belasten! Na geh! Nicht mal daran denken!

Dieser göttliche Funke, der uns verbindet, das sind wir. Dort ist die Quelle, Heimat. Ohne Hokuspokus, Zeremonie, Weihe ect.; da braucht es nichts dazu. Und das Beste: Es ist leicht zu finden. Würden wir mal still sein.

Was einem nicht alles in den Sinn kommt, wenn man Weihnachtslichterketten im Garten montiert. Ich freue mich auf die Adventzeit. Mehr denn je.

Montag, 22. November 2010

Agnes Feders Tagebuch


Heute ist Feiertag! Ja - Simply Red Farewell Tour - ich bin dabei!!!

War ja auch letztes Jahr beim Abschiedskonzert und es war fantastisch - wie jedes Jahr. Die Spötter amüsieren sich selbstredend über diese weitere Farewell Tour. Dem möchte ich entgegenhalten, dass das Wissen um die Einmaligkeit des Ereignisses eine ganz besondere Atmosphäre entstehen lässt. Das kommt dem Publikum zu 100% zugute. Wer sich über Marketingstrategien ärgert, ist sowieso selbst schuld. Da kann er sich den ganzen Tag ärgern, bei jedem Plakat, jeder Werbeeinschaltung, jeder Zeitung.

Aus meiner Sicht können Simply Red jedes Jahr eine Farewell Tour machen. Und wem es nicht aufgefallen ist - wir alle geben jeden Augenblick unser Abschiedskonzert - oder gibt es jemanden, der die 100% Garantie übernimmt, dass er morgen noch dabei ist, beim Spiel des Lebens?

Freitag, 19. November 2010

Lebenskunst


Wende dich der Sonne zu.

Wende dich dem Herzen zu.

Geh in die Quelle.
Photo: Doris Schartmüller

Dienstag, 16. November 2010

Agnes Feders Tagebuch




Darf das wahr sein? Ich habe völlig auf meine Vorsorgeuntersuchung vergessen. Dabei, einfacher kann es nicht laufen - brauche nur nach Büroschluss einen Stock tiefer und nachfragen. Da gibt es natürlich jede Menge Rechtfertigungen: viel zu tun (immer gut!), Paps braucht mich am Abend, der Garten ruft, das Haus verdreckt ohne regelmäßige Pflege, dann war da meine Halsentzündung, wobei ich mich ansonsten voll fit fühle, Qigongkurs, Ausbildung, ...ja, ja, jede Menge Ausreden.
Immerhin war ich vorher schon bei einer TCM-Ärztin und die fand mich recht gesund. Habe ein paar Kräuter zur allgemeinen Stärkung der Abwehrkräfte bekommen und das war's. Reiki, Qigong, Meditation, das Leben mit der Natur...das alles lässt mich auf Geist und Körper vertrauen. Das Leben ist gut zu mir und ich bin gut zu mir. Ist das Leben mal nicht so gut, dann steckt zumindest irgendwo eine gute Lektion darin versteckt.
...aber ich werde diese Woche noch den Blutbefund holen. Ordnungshalber. Sicherheitshalber.

Freitag, 12. November 2010

Agnes Feders Tagebuch


Gibt es irgendeine Bauernregel, die da lautet: Wenn die Palmkatzerln zu Allerheiligen blühen, erntet der Bauer bald Rüben?

Ich bin ja jetzt nicht so wahnsinnig alt, als dass ich mit Jugenderinnerungen um mich werfen müsste, aber ich kann mich an einen November erinnern, Mitte November wohlgemerkt, da war unser Kamin kaputt und die Wohnung blieb ungeheizt - bei Minus 14 Grad Celsius. Das werde ich NIEMALS vergessen: November, -14° und kein Ofen.

Soviel hat man gar nicht anzuziehen, dass man trotz Kälte einschlafen kann.

Seither fühle ich in besonderer Weise mit allen Osteuropäern, denen der Gashahn abgedreht wird und mit den hiesigen Menschen, die sich im Winter das Einheizen nicht leisten können.

Gibt es ein Recht auf Wärme? Ist die Klimaerwärmung vielleicht ein genialer Schachzug der industrialisierten Welt im Kampf gegen die Kälte in der Welt? Fantastischer Gedanke, werde ihn der nächsten Weltklima-Konferenz spenden als Argument, weiterhin nichts für's Klima tun zu müssen.

Mittwoch, 10. November 2010

Agnes Feders Tagebuch


Nebelrose
Die letzten Rosen blühen, lassen ihre Farben leuchten ungeachtet der kalten Nächte, der trüben Tage. Nebelschwaden hüllen sie ein, zeichnen ihre Konturen weich vor dem Himmel. Seht her, sagen sie, eure Kalendereinteilungen interessieren uns nicht -

wir leben solange wir leben.

Sonntag, 7. November 2010

Agnes Feders Tagebuch


Jetzt hat mich auch ein Virus erwischt. Im Büro ist schon ein Drittel der Leutchen krank , nun bin ich auch dabei. Kein Wunder, geht ja jeder noch genau so lange arbeiten, bis er alle Kollegen erfolgreich angesteckt hat. Dann, nur dann darf man getrost im Bett bleiben und sich auskurieren.

Es muss eine Art Ehrenkodex sein. "Sieh her, ich bin soooo krank, aber ich gehe trotzdem arbeiten, hatschi, haben alle bemerkt wie pflichtbewusst ich bin?" Wer das NICHT macht, tja - der ist 1. nicht pflichtbewusst und 2. vielleicht gar nicht wirklich krank? Also muss es einfach sein.

Ich bleibe gleich im Bett, Eibischtee schlürfend. Sind zu wenige übrig, die von meinem Pflichtbewusstsein beeindruckt sein könnten.

Krishnamurti


"Ich behaupte, dass die Wahrheit ein pfadloses Land ist und dass es keine Pfade gibt, die zu ihr hinführen - keine Religionen, keine Sekten....In dem Moment, in dem man beginnt, jemanden zu folgen, hört man auf, der Wahrheit zu folgen."


Jiddu Krishnamurti

Freitag, 5. November 2010

Agnes Feders Tagebuch


Das Laub fällt, kein Wunder bei dem Föhnsturm! Leuchtende Farbstriche widersetzten sich, zappeln widerspenstig an den Ästen. Das schönste Herbstlaub tragen die drei Buchen. Sie stammen noch aus der Zeit, als der Berg menschenfrei und ein Wald war. Großmutter ließ sie stehen. Zurecht. Jeden Herbst danke ich es ihr, weil es alljährlich ein Wunder an Lebensfreude ist, ihre Herbstfarben zu bestaunen.

Die neu dazugezogenen Nachbarn fluchen wegen dem "Dreck" den sie machen. Ich hatte den Eindruck, sie erwarten von mir, dass ich zur Rasenhygiene rüber komme, weil das "mein Dreck" ist.

Ja, sie meinen das Buchenlaub. Für den Städter ist es Dreck, der den schönen englischen Rasen ruiniert, für den Naturfreund ist es Sauerstoffreservoir, Farbpracht und Kompost, der neues Leben hervorbringt.

Mittwoch, 3. November 2010

Agnes Feders Tagebuch


Es gibt eine "Engelführung" durch die Innenstadt, wo man an jeder Ecke auf eine Abbildung eines Engels aufmerksam gemacht wird. Unbeachtet umgeben sie uns, in unsere Alltagsgedanken verstrickt, hasten wir vorüber, sehen selbst die nicht, die in Stein gemeißelt nun wirklich nicht unsichtbar sind.

Aber mal ehrlich, wer glaubt denn noch an Engel? Priester vielleicht, eine Prinzessin aus dem Norden, einige Besucher des internationalen Engelskongresses in Salzburg, Kinder...na ja, da sind doch schon einige zusammengekommen.

Sollten wir nicht werden wie die Kinder? Das Sehen neu lernen? Mit dem Herzen sehen lernen?

Was genau sehen die Menschen eigentlich, die Engel "sehen" können?

Ich habe (noch) keine Antworten. Im Malen entstand mir ein Engel auf der Leinwand. Vom Erscheinungsbild klassisch und doch mit soviel Liebe erfüllt. Wenn ich ihn ansehe, geht mein Herz über, eine Quelle, die niemals versiegen kann sprudelt aus dem Bild wie aus mir hervor.
Ein erster Ansatz.

Montag, 1. November 2010

Agnes Feders Tagebuch


Samain, das Totenfest - Samain ist der schwarze Gott, der Jäger und Schlächter, der die dunkle Zeit des Jahres regiert, gemeinsam mit der schwarzen Göttin. Man merkt es auch am Fernsehprogramm - nichts als Horrorfilme. Wir fürchten den Tod, das macht den Horror aus.

Einst ehrten wir die Ahnen, suchten ihren Ratschlag. Das ist Geschichte. Das Rad des Lebens wird nicht mehr gelebt, weder im Tageszyklus, noch im Jahreszyklus, noch im Lebenszyklus.

Das Leben endet mit dem Tod. Bleibt nichts zurück außer Knochen unter einem Grabstein?

Stehe ich am Grab meiner Ahnen, sehe ich die Vergänglichkeit des Körperlichen. Gleichzeitig fühle ich ihren Geist fortwirken (diejenigen, die schon mal eine Familienaufstellung gemacht haben, werden das auch gesehen haben), Mutter, Großmutter. Das Totenfest gibt uns Gelegenheit inne zu halten, den Geist der Ahnen wahrzunehmen. Sie sind unsere Wurzeln in der Erde und Vermittler zur geistigen Welt.
Einst haben sie das Leben weitergegeben, den göttlichen Funken der Unsterblichkeit, der uns alle verbindet.