Donnerstag, 24. Februar 2011

Agnes Feders Tagebuch


Ich werde älter. Ja, tatsächlich. Über 30 sein ist nicht mehr jugendlich. Mein Beruf ist ein Handwerk geworden, das ich mechanisch ausübe, ohne danach die Befriedigung eines gelungenen Werkstückes zu haben.

Da hätte ich Tischler werden müssen, meint Paps. Er hat - wie meistens - recht. Erwähnt aber nicht, dass er mich energisch zum Jus-Studium gedrängt hat.

Meine "Künstlerseele" lebe ich, wenn es sich gerade mal ausgeht, eine Stunde in der Woche, ein Nachmittag am Wochenende? Luxus pur.

Als Kind gab es trotz Schule immer Zeit fürs Malen und Zeichnen, Musik, für Geschichten, kleine Kunstwerke die Freude machten.

Was passiert dadurch mit mir?

Werde ich so, wie Oskar Wilde in "De profundis" über das Philistertum schreibt:

"...In ihrer plumpen Unempfänglichkeit für Ideen, ihrer muffigen Ehrbarkeit, ihrer selbstzufriedenen Rechtgläubigkeit, ihrer Ehrfurcht vor billigen Erfolg, ihrer ausschließlichen Sorge um die materielle Seite des Lebens und ihrer lächerlichen Selbstbeweihräucherung waren die Juden im Jerusalem der Tage Christi die genaue Entsprechung der britischen Philister von heute."

Das galt für das 19. Jahrhundert so wie für das 20.ste, und wie es noch für das 21.ste Jahrhundert gilt. Nicht nur für die Briten, keineswegs.

Werden wir Menschen so, wenn wir unsere Künstlerseele verraten? Denn ich meine, dass jeder damit zur Welt kommt und im Laufe der Zeit passiert es, dass sie verkümmert, die Freude verloren geht, eine Verwandlung eintritt, unbemerkt, unbetrauert.
Eine Raubkatze hinter Gittern, der ein paar Brocken Fleisch hingeworfen werden, die angegafft wird von denen, die ihre Wildheit und Ursprünglichkeit verloren haben. Ruhelos läuft sie auf und ab, bereit sich auf den Nächstbesten zu stürzen, der es wagt sich ihr zu nähern.

Dienstag, 22. Februar 2011

Agnes Feders Tagebuch


Peter braucht Hilfe in seiner Kanzlei, aber mir wird das zu viel, so schwer es mir fällt ihn zu enttäuschen.

Wir sind ein paar Stunden zusammen gesessen und haben geredet. Seine Frau und sein Kind sind den Winter über in Brasilien und er leidet schrecklich unter der Trennung. Dem Wein hat er proportional zu seinem Schmerz zugesprochen. Zugegeben hat er es allerdings nur bedingt. Doch seine Worte und Blicke haben ihn sowas von verraten...Maria zieht es zu ihrer Familie und Peter fürchtet, dass sie irgendwann mal drüben bleiben wird, mit dem Kind.
Ist ein anderes Lebensgefühl, Brasilien, Wärme, Musik, capoeira,...was für ein Kontrast zu unserer kühlen Mentalität. Ich kann Maria schon verstehen, auch wenn ich selbst es nicht weiter als bis zum Mittelmeer geschafft habe.



Sonntag, 20. Februar 2011

Donnerstag, 17. Februar 2011

Agnes Feders Tagebuch




Koniferen kommen ja in #Gärtnerkreisen# nicht so gut an. Kein Wunder bei den Kilometern an Hecken, die sich durch das Land ziehen. Millionen verstümmelter Bäume eigentlich. Bäume, denen man das Baumsein genommen hat. Man muss sie nur zeitgerecht zurückschneiden und darauf achten, dass sie nicht unbemerkt in den Himmel wachsen.

Wieso erinnert mich das bloß an meinen Ex?

Und an meine Schulzeit?

Selten sieht man die wahre Pracht eines Koniferenbaumes. Alleine die Rinde ist von fantastischer Struktur, der aufrechte Wuchs von Mars-haftem Charakter.
Es gibt mehr ausgewachsene Exemplare als ich dachte, man muss sie nur bemerken.


Dienstag, 15. Februar 2011

Agnes Feders Tagebuch


Im September stellte mein lieber Heinrich einen manifesten Eisenmangel bei mir fest.

Fünf Monate - und einigen Diskussionen mit Heinrich - später: Alles im grünen Bereich.

Ein Teil von mir will sich vor Genugtuung aufspielen, zu Heinrich sagen: Na bitte, es geht auch ohne Medikamente, d.h. Eisenpräparat von dem ich Durchfall bekomme. Alleine mit Ernährung, Kräuter und Heilpilzen ist der Ausgleich gelungen.

Aber da gibt es glücklicherweise noch einen anderen Teil in mir, der voll Demut und Dankbarkeit ist für diese Möglichkeit des Heilens. Dem es einerlei ist, recht zu haben, besser zu sein (oder zumindest genauso gut). Der staunend auf das Leben blickt und merkt, wie wenig wir doch davon verstehen, von diesen komplexen Kräften, die da wirken. Schon ein banaler Eisenmangel hat seine speziellen Mechanismen, denen man durch Achtsamkeit begegnen kann. Da ist noch viel mehr möglich, das kann ich fühlen.
Der Schlüssel: Heilung braucht den Mut, auf den Grund zu blicken.


Sonntag, 13. Februar 2011

Lebenskunst


Palmarosa, Geranium, Lavendel...

im Meereswasser baden,

den Kopf entlasten,

Bodenhaftung gewinnen.

Agnes Feders Tagebuch


Ein paar Tage Steiermark, schon sieht das Leben wie frisch tapeziert aus.

Wahnsinnig viel geschlemmt, getratscht, gelacht, geschlafen, ins Land geschaut. Die Zeit vergeht anders als zuhause. Das sollte ich öfter machen - nicht vergessen!

Sonntag, 6. Februar 2011

Lebenskunst


SCHLAFENDER BAUM
...
Dereinst drang ein starker Arm aus diesem Stamm,

trug meine Schaukel und mich.

Der Ast längst morsch,

das Auge geschlossen,

träumt

vom Kinderlachen.
...

Freitag, 4. Februar 2011

Agnes Feders Tagebuch


Der Frühling beehrt uns wieder mit einem Kurzbesuch - für morgen sind 14°C angesagt. Die Wetterfühligen rüsten sich mit Aspirin, Pfefferminzöl und Wärmeflasche.

Ich beobachte die Weiden. Nochmehr Knospen werden aufbrechen, herausgelockt von der trügerischen Wärme.
Ich werde mich vor sie hinstellen, hinabsinken bis die Hände den Boden berühren, mir vorstellen, da wäre ein Teich an dem Ich-Weide stehe, die feinen Triebe der Weide baden in ihm. Sie werden vom Wind ergriffen und sachte hin und herbewegt. Ich stelle mir den Wind vor, der zum Föhnsturm anschwillt und heftig an den Zweiglein zerrt, sie rundum wirbelt, mit der Weide spielt, bis seine Kraft nachlässt, die Zweige zur Ruhe kommen, herabsinken bis zur Oberfläche des Teichs und alles von Neuem beginnt.

Eine der schönsten Übungen aus dem Wuhan Jangsheng Qi Gong.

Dienstag, 1. Februar 2011

Agnes Feders Tagebuch


Wer hätte gedacht, dass so ein Kettenmail wirklich mal was Gutes bringt?

Unzählige Zwiebelbilder waren von Lobeshymnen auf die Heilkraft der Zwiebel unterlegt. Das ist mir dann durch den Kopf gegangen, als ich die Eitertupfen auf meinen Mandeln, mitsamt gelben Strich die Kehle hinunter, gesehen habe. Ein klarer Fall für Antibiotika. Da hilft kein Eibischtee, Kräuterpflaster an den Füßen und Gurgeln mehr.

Also schnitt ich die erste Zwiebel an, legte sie auf den Schreibtisch und - ein Wunder! Körperlich ging es mir ein paar Stunden später schon viel besser, das Eiter war nach 2 Tagen verschwunden. Die Halsschmerzen vergingen sukzessive.

Unfassbar diese Zwiebeln!

Mein Schreibtisch wird infolge meiner Begeisterung noch länger Zwiebelduft verströmen - soll angeblich auch vorbeugend gegen Grippeviren helfen - und die Kollegen stört das jetzt auch nicht mehr, hier und dort habe ich sogar schon "Fremd-Zwiebeln" liegen sehen. Schaden kann's ja nicht!