Donnerstag, 31. März 2011

Agnes Feders Tagebuch


Ein gemütlicher Abend mit Paps.

Wir haben gemeinsam Tee getrunken, die Schallplatten geordnet, Singles durchgestöbert, aufgelegt, gelacht, mitgesungen. Eigenartig war das, wie Urlaub in der Vergangenheit. Jeden Sonntag Schalldämpfer herbeisehnen, Hörspiele auf Ö1 lauschen, krachend-grammelnde Schallplatten auflegen, daneben Zeichenblatt um Zeichenblatt bemalen, Paps im Nebenzimmer ein Buch lesend wissen. Paps.

Paps schien gestern wieder so jung...schien? Geht das wirklich verloren? Oder ist es bloß eingeschlafen, dieses Wesen, das sich begeistert, sprüht und pulsiert, das wir Jugend nennen, aber eigentlich immer Teil unserer Seele ist.

Ich sehe Paps an, sehe wie die Zeit vergeht, uns durch die Finger rinnt. Möchte sie anhalten. Vergebens. Keine Minute bleibt, lässt sich auch nicht zurückholen.

Wir machen bald wieder so einen Abend, hören Axel Cortis Schalldämpfer, sehen schwarz-weiß-Fotos an und lassen uns so jung sein, wie wir sind.

Sonntag, 27. März 2011

Freitag, 25. März 2011

Agnes Feders Tagebuch


Wir sind so stolz auf unsere Zivilisation.

Sie basiert auf Reichtum. Sie basiert auf Energie. Erdöl, Strom. Sie basiert auf mangelnden Respekt gegenüber der Erde, die uns nährt; auf mangelnden Respekt gegenüber unseren Mitmenschen.

Es sind ca. 436 Atomkraftwerke in Betrieb, eines davon fliegt uns gerade um die Ohren - nur 1 von 436! - und wir sind ALLE betroffen. Es wird Auswirkungen geben in unser aller Nahrung, Gesundheit.

Wir werden es vergessen, die Politiker werden sich von der Atomlobby kaufen lassen - das ist sowieso immer klar gewesen, steht sogar heute in der Zeitung. http://derstandard.at/1297821397975/Deutsche-Atomdebatte-Epheser-Kapitel-4-Vers-25


Was soll ich tun? Resignieren?

Nein.

Respekt ist mein Schlüssel. Vor der Erde. Vor den Menschen und Tieren. Sorgsamer Umgang mit Ressourcen.
Dazu stehen - es laut sagen.

UND - Nicht vergessen.

Montag, 21. März 2011

Agnes Feders Tagebuch


Wir sind gute Freunde...diese Worte sind in meinem Kopf zu einem Mantra geschmolzen. Wie bekomme ich sie in Heinrichs Kopf?

"Hier Agnes, für dich." Er schiebt mir eine kleine Schachtel über den Mittagstisch, bemerkt meine Entrüstung und beschwichtigt mich, noch ehe ich meinem Unmut freien Lauf lassen kann. "Nichts Wertvolles, nur eine kleine Erinnerung an unseren Spaziergang."

Die Schachtel ist wunderschön, schimmert perlmutfarben. Ich öffne sie, ohne die geringste Ahnung was mich erwartet. Bin erstaunt, bin verwirrt und im nächsten Augenblick beschämt.

Ein Herz aus Stein.


Lebenskunst


Die ersten Blüten brechen auf


Der Wind spielt mit totem Laub


Zahnräder greifen ineinander.




Mittwoch, 9. März 2011

Agnes Feders Tagebuch




Heinrich ist von seinem Erfolg berauscht. Eine Einladung nach der anderen prasselt auf mich hernieder. Zuletzt: Dinner mit seinen Eltern.


Genug! Es war an der Zeit, wiedermal die Dinge klarzustellen - und einen Freund zu kränken. Mir hat es mindestens genauso weh getan und das schlechte Gewissen plagt mich immer noch. Habe sogar Heinrichs bitteren Vergleich mit einer Raubkatze hingenommen. Schön, kuschlig, sanft - aber auf der anderen Seite verletzend, lebensgefährlich. Vielleicht hat er mir damit sogar ein Kompliment machen wollen - nichts ahnend, wie viele Menschen in meiner Nähe ermordet wurden? Auch wenn ich es nicht selbst war, meine Gegenwart scheint Gewalt anzuziehen.
Ach, warum ist es so schwer "nur" befreundet zu sein? Ich spiele nicht falsch, lege alle Karten auf den Tisch, und dennoch - genialer Oscar Wilde! Er meinte zurecht: "Jede Liebe ist eine Tragödie."
Genug der Tragödien - hallo, Universum, Gott, ihr himmlischen Mächte? Ich würde gerne mal wieder lachen!

Freitag, 4. März 2011

Agnes Feders Tagebuch


Mag ich Überraschungen? Ich habe nie darüber nachgedacht. Es kommt wohl darauf an, wer die Überraschung bereitet.

So habe ich erfahren, dass ich Heinrich mag.

Er kam in mein Büro, ordnete mit aller Autorität an, dass ich mich am Abend zum Ausgehen bereitmachen sollte. Noch ehe ich etwas erwidern konnte war er zur Türe draußen, rief noch "Um 18.45 stehe ich auf deiner Türschwelle - sei fertig!" und war weg.

Man kann baff sein, man kann empört sein - und ich?

Lächelte. Also mag ich Heinrich.

Ließ mich entführen, nichts ahnend, dass es eine doppelte Entführung sein würde.
Unser unbekanntes Ziel entpuppte sich als Zirkuszelt. Cirque du Soleil!

Was für ein Abend...alleine die Malerei auf dem transparenten Vorhang verzauberte, Musik, die jede Bewegung der Artisten unterstrich, ja zu verursachen schien, hüllte alle Sinne ein, Körperbeherrschung die dem Zuschauer den Atem raubt, Licht und Schatten, betörten durch wehende Stoffe, bizarre Traumszenen, Humor, Gefühle, wirbelnde Körper und Formen.
Eine magische Welt. Mein zu hause. Das Publikum eingesponnen in einen Kokon der Illusionen, die hart erarbeitet sind, jeder Faden, jede Bewegung. Ein dankbares Publikum, dankbar für die Gefühle, die ihm entlockt wurden.

So vergänglich, so zerbrechlich.