Samstag, 28. Mai 2011

Agnes Feders Tagebuch


Ein Mädchen im Park - ein besonderes Kind muss es gewesen sein.
Ihre Schulfreunde veranstalteten ein Wettrennen, aber sie interessierte sich nicht dafür.
Sie spielte alleine und wirkte sehr zufrieden dabei.
Ihre Lehrerin versuchte sie zu überreden, doch das Mädchen reagierte nicht. Erst als die Lehrerin aufgab, wegging, folgte das Mädchen der Frau.
Es war so offensichtlich, dass das Rennen ihr völlig gleichgültig war. Die Lehrerin lief an ihrer Seite, feuerte sie an, das allein fand das Mädchen lustig und lief weiter.
Bis zu einer Stelle, an der Steinchen lagen.
Das Mädchen blieb stehen, fasziniert von den Steinen, kniete sich nieder, sammelte ohne Eile einige davon ein. Dann lief sie gemächlich weiter.
Sie wurde Letzte.
Sie war die Einzige, die die schönen Steine gesehen hatte.

Mittwoch, 25. Mai 2011

Agnes Feders Tagebuch

Heinrich hat mich eingeladen. Keine Party. Schlimmer.
Seine Eltern kommen nach Wien und wir gehen gemeinsam essen. Wieso bin ich dabei? Wieso konnte ich nicht ablehnen?
Die zweite Frage ist beinahe leicht zu beantworten - ich bin es Heinrich schuldig. Er ist ein guter Freund, war so oft für mich da. Also ist es keine Schuld, sondern mein Bedürfnis, seiner Bitte nachzukommen.
Natürlich habe ich ihn gefragt, warum seine Eltern mich kennenlernen sollten. Wir sind schließlich kein Pärchen. Heinrich haben meine Worte nicht gefallen, seine Augen sind den meinen ausgewichen. "Du hast ihnen doch nicht erzählt, wir wären zusammen?", habe ich nachgefragt. Entschieden, für mein Gefühl ein paar Nuancen zu heftig, hat er das von sich gewiesen. "Nur Freunde."
Na, ich bin gespannt.

Montag, 23. Mai 2011

Agnes Feders Tagebuch


Ich spüle nicht gerne Geschirr. Das ist einfach so. Besonders verflixt, weil ich keinen Geschirrspüler habe.
Nun bin ich in Thich Nhat Hanhs Buch "Klar wie ein stiller Fluß" (Kristkeitz Verlag) über Kapitel 35 - Geschirr spülen gestolpert.
Geschirr spülen
ist wie einen kleinen Buddha baden.
Das Profane ist das Heilige.
Der Geist des Alltags ist der Geist Buddhas.
Ich stehe beim Abwasch und muss lächeln. Meine Bratpfanne ist also ein kleiner Buddha. OK. Das geht jetzt natürlich nicht mehr aus meinem Kopf raus. Mein kleiner Buddha sieht wieder sehr schön aus, glänzt, Wassertropfen perlen von seiner Oberfläche. Ich entdecke eine kleine Kruste und schrubbe nochmals drüber. Stück für Stück wächst der Berg sauberen Geschirrs, nach einer Weile ist alles erledigt. Zufrieden breite ich ein Geschirrtuch darüber.
Geschirrspülen ohne Widerwillen, an Dinge denkend, die ich statt dessen lieber täte. Das geht, wer hätte das gedacht.

Sonntag, 15. Mai 2011

Samstag, 14. Mai 2011

Agnes Feders Tagebuch


Das mit den Hummeln hat nicht ganz funktioniert.
Heinrich hat kurzentschlossen den Porschemotor angeworfen und sich zu mir auf den Berg gebeamt. Zuerst habe ich mich sehr gefreut, nicht mehr alleine auf einem Haufen Bretter zu sitzen. Dann habe ich gesehen, wie ein Schönheitchirurg die Sache angeht...
...nun, der Temperamentsunterschied zwischen Heinrich und mir ist - sagen wir mal diplomatisch - erstaunlich groß. Die Bretter sind gewissermaßen geflogen und ich habe lebenslanges, striktes Verbot, jemals seinen OP zu betreten (falls ich auf Arzt oder OP-Schwester umsatteln sollte).
Das Ergebnis kann sich jedoch zeigen: Ein kleines Kunstwerk! Also dafür, dass wir beide keine geübten Handwerker sind, absolut in Ordnung.
Heinrich hat was bei mir gut. Mir kommt vor, er hat diesbezüglich bereits Pläne...

Montag, 9. Mai 2011

Agnes Feders Tagebuch


Die ersten Radieschen aus dem Garten - sie schmecken unvergleichlich! Es muss mehr Gemüse angebaut werden.
Voller Elan habe ich mich daran gemacht, ein Hochbeet zu bauen. Das kann ja nicht so schwer sein. Dachte ich.
Das Fertigteilset war viel zu teuer, zudem aus Plastik, also habe ich mir Bretter zuschneiden lassen und Schrauben gekauft. Jetzt sitze ich auf einem Haufen Bretter mit der Bohrmaschine in der Hand und schraube mir die Hände wund.
Die vielen Hummeln, die heuer im Garten unterwegs sind, motivieren mich. Eigentlich sollten sie nach den Gesetzen der Aerodynamik nicht fliegen können - tun es aber trotzdem. Sie denken einfach nicht darüber nach.
Also mache ich es auch so - nicht darüber nachdenken, ob ich es schaffe - einfach weiter schrauben, schrauben, schrauben.....

Dienstag, 3. Mai 2011

Agnes Feders Tagebuch



Das sind bewegte Zeiten, wenn ich nicht mal zum Tagebuchschreiben komme. Job, nebenher Ausbildung, Üben, den Haushalt und die Tiere versorgen, der Garten, Paps braucht mich intensiver als sonst, - am Abend falle ich totmüde ins Bett. Liege platt auf der Matratze und entspanne den Rücken das erste Mal nach 17 Stunden. Das ist der Höhepunkt des Tages.



- Du liebe Zeit! Das kann es doch nicht gewesen sein?


Die Katzen machen's richtig - von Zeit zu Zeit eine Maus fangen, in der Sonne dösen, Fell lecken. Nachts pflegen sie ebenfalls einen angenehmeren Lifestile als ich. Schreckliche Erkenntnis:

Ich wollte, ich wäre meine Katze.