Dienstag, 28. Juni 2011

Agnes Feder Tagebuch

Langsam füllt sich das Hochbeet. Zuerst eine Lage Häckselgut, das ging recht flott. Es gibt genug Büsche im Garten, die zurückzuschneiden sind. Darauf kommt eine Schichte Gartenerde. Das bedeutet unzählige Male mit der beladenen Scheibtruhe den Hügel hinaufstapfen. Dann eine Schichte Kompost. Sack für Sack Kompost vom Stadtgartenamt schaufeln. Der ist glücklicherweise gratis.
Das Beet fasst Unmengen Erde!
Langsam, wie das Eichhörnchen seine Nüsse sammelt, entsteht mein "Acker". Ein Sack Erde verschwindet geradezu in dem Holzgatter. Die letzen zwei Kubikmeter noch. Puh!
Totzdem ist die Langsamkeit in der das Projekt voranschreitet gut. Aus eigener Kraft, Schritt für Schritt. Die Schichten können sich verbinden, reifen, bevor im kommenden Frühjahr die Saat ausgebracht wird. So erhält alles seine Zeit - das Bauen, das Aufschichten, das Verbinden und das Sähen.
Eine befriedigende Arbeit, ganz anders als das, was ich in der Klinik mache. Am Ende des Tages hat sich etwas verändert, etwas, das ich sehen und angreifen kann. Dann setze ich mich mit einer Tasse Tee neben mein Beet und bin froh. Einfach so.

Montag, 20. Juni 2011

Agnes Feders Tagebuch

Ein ruhiges Wochenende, dachte ich am Freitag. Endlich ausspannen, kein Rasenmähen, Schaufeln, Schneiden, Graben, nur genießen.
Dann bekommt frau natürlich Kopfweh, das erst mit ordentlichen Regengüssen verschwindet. Doch da stand auch schon Heinrich auf der Matte, von unzähligen Nachtdiensten ausgelaugt und will eine Behandlung von mir.
Unglaublich! Heinrich und Reiki? Das geht doch nicht! Was ist passiert? Hat er zu viel von seinen Medikamenten eingeworfen oder hat ihm die OP-Lampe sein super-kritisches Denken weggeschmolzen?

Nun, es wäre nicht ganz angebracht gewesen, genauer nachzufragen, so kaputt wie er war. In seinen Augen war die Panik zu lesen, er konnte einfach nicht alleine sein, nicht schlafen, nicht zur Ruhe kommen. Nachzubohren hätte sich angefühlt, als würde ich auf einen am Boden liegenden noch hintreten. Ich habe ihn einfach genommen wie er aufgetaucht ist und mich für Heinrich gefreut, dass er noch in der Lage ist, sich Hilfe zu organisieren.
Heinrich ist auf meiner Liege eingeschlafen, wie ein Baby. Die ganze Nacht und den Morgen. Kaum war er aufgewacht, sprang er auf und wunderte sich, wo er war. Drollig! Hat ein gutes Frühstück bekommen und einen Morgenspaziergang im Wald.
Das hat ihn - zumindest für diese Zeit - verwandelt. Seine Gesichtszüge sind weicher geworden und seine Stimme entspannter. Und das alleine von einer Reiki-Behandlung, einem tiefen, gesunden Schlaf und Bewegung in der Natur. Jedenfalls bezeichnete Heinrich mein Häuschen nun mehr als seine  "Kuranstalt" und will wieder kommen.

So beginnt also meine Karriere als Tankstelle für ausgepowerte Workaholics. Werde mir den Tag markieren.

Donnerstag, 16. Juni 2011

Agnes Feders Tagebuch

Red Moon.

Was für ein Nachthimmel!
Die Erde warf ihren Schatten auf den Vollmond und er wurde rot. Liest man Zeitung, verwundert dies nicht weiter. Doch der Schatten ging vorüber. Unberührt und vollkommen strahlte er auf uns, die wir in der Dunkelheit gebannt hinaufblickten.

Der Mond ist immer derselbe, man kann ihm nichts hinzufügen und nichts wegnehmen.
Alleine unsere Wahrnehmung verändert sich.

Mittwoch, 15. Juni 2011

Agnes Feders Tagebuch

In der Zen-Literatur wird viel über den Mond geschrieben und gedacht.

Wenn ich ihn Nachts betrachte, fühle ich seine Faszination und Macht. Kein Wunder, dass er angestarrt wird. Man kann sich ihm nicht entziehen, egal wieviel man über ihn weiß und nicht weiß, ob man an seinen Einfluss beim Gärtnern glaubt oder nicht, - wer da steht in der Dunkelheit und hinauf blickt, spürt etwas.
Den Mond als Metapher zu wählen für die Sehnsucht der Menschen nach ihrer Quelle/Gott/Erfüllung, ist beinahe zwingend, kommt mir vor - als wäre der Mond geschaffen, uns zu erinnern.

Dann stehen wir in der Dunkelheit und starren ihn an.
Manches Mal hat einer Glück und entdeckt den Mond in sich.

Dienstag, 14. Juni 2011

Agnes Feders Tagebuch

Nusszeit!
Der Baum trägt reichlich Nüsse und da heißt es, literweise Nussgeist ansetzen. Nach dem Ausfall letzen Sommers sind die Vorräte erschöpft und die Lust auf Nusslikör groß.
Der Nussgeist soll auf Diabetes und dickes Blut eine positive Wirkung haben, auf den Magen allemal. Auch die Walnussblätter haben vielerlei positive Wirkungen (Akne, eitrigen Nägel, Fußschweiß uä.) habe ich jedenfalls bei Maria Treben nachgelesen und glücklicherweise noch nicht ausprobieren müssen.
Alleine wie stark die Blätter riechen! Welcher andere Baum besitzt so aromatische Blätter?

Sonntag, 5. Juni 2011

Agnes Feders Tagebuch


Vatertag - wir feiern ihn seit 1955 in Österreich am 2ten Sonntag im Juni. Das war bislang keine große Sache, nicht so wie Muttertag, auch wenn die Umsätze langsam an den Muttertag heranreichen.
Könnte daran liegen, dass sich Väter in der Regel weniger um ihre Kinder kümmern als die Mütter, oder daran, dass der Muttertag im NS-Regime gepuscht wurde.
Eigentlich ist es mir egal.
Mein Paps ist der einzige Elternteil, der mir geblieben ist und er war immer für mich da. Jetzt bin ich für ihn da. Nicht nur am Vatertag.
Er ist meine Wurzel in die Vergangenheit.
An ihm sehe ich das Welken und Schwächer werden deutlicher als an jedem anderen Menschen. Weil es bei ihm unvorstellbar war. So unvorstellbar wie mein eigenes Welken.
An ihm erfahre ich die Endlichkeit einer Lebensspanne. Und die Unendlichkeit von Liebe.

Samstag, 4. Juni 2011

Agnes Feders Tagebuch


Wie freimütig man sich auf jedes Hölzchen stürzt, dass einem hingeworfen wird. Auf ein Lob, einen Pokal, Medaille, Zertifikat - oder Anerkennung durch den Meister.
Bestätigtes Satori? Zen-Ausbildung abgeschlossen, Applaus?
Was für ein Irrtum - zurück an den Start. Dort kann man gleich bleiben, weil es kein Ziel gibt. Zum Verrückt-werden. Genau das soll passieren.
Der Blickwinkel wird verrückt.
Kodo Sawaki sagt:
Dass ein Mensch "Satori" bekommt, ist das, was Menschen sich erzählen.
Das, was sich Menschen nicht erzählen, ist Zazen.
(Kodo Sawaki, An Dich, Angkor-Verlag)
Und dann kann auch schon wieder aufgehört werden, darüber zu schreiben....