Montag, 22. Oktober 2012

Lebenskunst

Meine Überzeugung
selbst der Lenker zu sein


entlockt dem Leben
nicht mal ein Stirnrunzeln

Montag, 15. Oktober 2012

Agnes Feders Tagebuch

Erntedank.
Die letzten Karotten und Pastinaken sind aus der Erde gezogen, auch Fisolen fanden sich an den Stangen und ein Porree in annehmbarer Größe. Das Apfelbäumchen hatte noch ein paar Äpfel bereit, wunderbar süß-sauer und sogar der Kohlrabi hat zu guter letzt beschlossen, ein Bäuchlein anzusetzen. Nicht dass ich davon leben könnte, aber für ein bisschen Mühe wurde mir feinstes Gemüse geschenkt.

Mehr als das. So verrückt es klingen mag, dieses selbst gezogene Grünzeug schmeckt lebendig!
Lebendiges Essen - da ist Qi drinnen, das den Körper auf zusätzliche Weise nährt, als mit bloßen Kalorien. Keine Spur von schlapp und müde, kein Bedürfnis nach einem Mittagsschläfchen - vielmehr fühlt man sich frisch und bereit.
Licht an - Ich komme!

Freitag, 12. Oktober 2012

Montag, 8. Oktober 2012

Agnes Feders Tagebuch


Was habe ich für eine niedliche Fliegenpilz - Kolonie im Wald entdeckt! Könnte einer Kinderzeichnung entstiegen sein.

Schon eigenartig - ein giftiger Pilz und doch ist er es, an den Kinder zuerst denken, sollen sie Pilze malen. Und dann ist er außerdem noch ein beliebter Glücksbringer. Schätze auf jeden Rauchfangkehrer kommt ein Fliegenpilz zu Silvester. Wie ist das möglich?

Zugegebenermaßen ist er optisch ein echter Hingucker. Das alleine kann es doch nicht sein, oder doch?
Was nicht so bekannt ist, der Fliegenpilz wird durchaus als Speisepilz verwendet - nicht nur von Hexen, nein, nein.
In Japan gilt er als Delikatesse. Gut, die Japaner sind für unsere Begriffe etwas exzentrisch, was ihre Speisegewohnheiten angeht, aber auch in der Gegend um Hamburg soll es traditionelle Fliegenpilzgerichte geben.
Ich würde es nicht ausprobieren wollen, doch wenn bestimmte Zubereitungsregeln eingehalten werden, wie stundenlanges einweichen in Wasser, kommt es zu keinen Vergiftungen und keinen Rauschzuständen, weil die giftige Ibotensäure sich hauptsächlich in der Huthaut befindet und wasserlöslich ist. Todesfälle sind laut Wikipedia nicht bekannt.

Der Fliegenpilz ist eng mit dem sibirischen Schamanismus verbunden und ich bezweifle nicht, dass auch in unseren Breiten die Rauschwirkung dieses Pilzes in vorchristlichen Riten eine Rolle gespielt hat. Wenn er da so vor einem steht, mitten im Wald, da hat er schon was provokantes, herausforderndes.
Seht her, auch das ist Realität. Märchen, Wahn, Rausch und Vergessen.

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Agnes Feders Tagebuch


Ein Freund ist tot. Gestorben. Einfach so.
Nur wenig älter als ich.

Im Gras finde ich eine tote Libelle. Sie erinnert mich an ihn.
Ich lasse sie liegen. Die Naturwesen werden sie aufnehmen, in sich. Morgen schon wird die Libelle verschwunden sein.

Magie und Rituale...es kommt die Zeit der Stille, Abgesang auf den Sommer. Im Abschiednehmen erinnere ich mich der heilenden Kraft von Ritualen. Dies ist ihr Sinn. Wie konnte ich es nur vergessen?

Und wie Oscar Wilde schon beobachtet hat, ein Ritual muss aus mir kommen, aus meiner Quelle, sonst ist es eine Hülse ohne Inhalt, sinn-los.

Also bin ich still, warte was da kommt. Duftender Rauch, Feuer, eine Melodie, ein Bild in lichten Farben. Die Gewissheit, dass alles seinen Lauf nimmt, die Kreise sich schließen.