Sonntag, 19. Januar 2014

Agnes Feders Tagebuch


Ich sitze vor meinem Bücherregal, wische mit dem Finger den Staub vom Holz, stoppe an einem grünen Buchrücken. "Der Niemandsgarten". Er blinkt nicht grell auf, macht auch sonst keine überirdischen Signale. Dennoch denkt es mich: Michael Ende möchte mir etwas sagen?

Ich ziehe ihn aus der Bücherreihe. Das Taschenbuch ist fast ungelesen, glatt und die Seiten hell. Gekauft und gleich ins Regal mit den "später lesen"-Büchern gestellt. Weder den Anfang noch das Ende will ich - nein, einfach mitten hinein. Die Seiten trennen sich, "DAS UMSTELLEN DER LICHTER" steht da, gesperrt geschrieben. Zehn Zeilen Lichter umstellen - den Blickwinkel ändern!

Das, was dich hindert gut zu sein, mache zum Gegenstand deiner Güte. ... Das, was dich hindert bewusst zu sein, mache zum Mittelpunkt deiner Aufmerksamkeit.

Kein Wegsehen, kein Verdrängen. Mitten hinein. Mut haben, denke ich.

Das, was dich hindert dein Leben zu haben, mache zum Inhalt deines Lebens.

Michael Ende, Zauberer. Du warst, bist, bleibst wunderbar.
http://www.michaelende.de/buch/der-niemandsgarten